Venezuela

Der gefeierte Rückkehrer

Ungeduldig warten die Anhänger von Hugo Chávez auf Bilder des kranken venezolanischen Präsidenten. Doch die gibt es immer noch nicht

Drei Nachrichten liefen am frühen Montagmorgen über den Twitter-Account von Hugo Chávez, in denen er seine Rückkehr verkündete. Doch Bilder des krebskranken venezolanischen Präsidenten gab es keine zu sehen. Und obwohl seine Anhänger die Nachricht mit spontanen Freudenfeiern auf den Straßen begrüßten, ist auch bei ihnen das Bedürfnis groß, mehr darüber zu erfahren, wie es tatsächlich um Chávez steht.

Die Regierung teilte lediglich mit, dass sich der Präsident in einem Militärkrankenhaus in der Hauptstadt Caracas „komplexen und harten Behandlungen“ unterziehe. Chávez sei intubiert, deswegen habe er Schwierigkeiten beim Sprechen. Doch nähere Details über seinen Gesundheitszustand gab es trotz entsprechender Forderungen der Opposition nicht.

Vizepräsident Nicolás Maduro, der seit der Operation von Chávez am 11.Dezember immer mehr in den Vordergrund gerückt ist, betont ebenso wie andere Regierungsvertreter, dass der Präsident nach wie vor seine Amtsgeschäfte ausübe und Entscheidungen abzeichne.

Chávez’ Rückkehr kam drei Tage, nachdem die Regierung die ersten Fotos des Präsidenten seit mehr als zwei Monaten veröffentlicht hatte. Sie zeigen ihn lächelnd, aber aufgedunsen in einem Bett liegend, neben ihm stehen seine Töchter. Das Fehlen jeglicher Bilder von Chávez bei seiner Rückkehr am Montag heizte die Spekulationen an, wie schlecht es dem Präsidenten tatsächlich geht. Bekannt ist lediglich, dass die Krebserkrankung im Beckenbereich des 58-Jährigen entstanden ist.

„Er ist zurück, er ist zurück“, jubelte Informationsminister Ernesto Villegas am Montag spontan während einer Fernsehsendung, als er die Nachricht erhielt. Neben der Nationalversammlung wurde eine riesige aufblasbare Chávez-Puppe platziert. „Er wird leben, und er wird siegen“, erklärte Vizepräsident Maduro in einer Kabinettssitzung.

Hunderte Chávez-Anhänger feierten die Rückkehr in der Innenstadt von Caracas. „Ich will meinen Präsidenten sehen“, sagte Alicia Morroy, eine Näherin, die zum Krankenhaus gekommen war und mit den Tränen kämpfte. „Ich habe ihn sehr vermisst. Er ist die Zuversicht der Armen.“

Ob Chávez weiter Präsident bleiben kann, ist fraglich. „Leider geht sein Krebs nicht weg“, sagt Dr. Carlos Castro, Direktor der Kolumbianischen Anti-Krebs-Liga in Bogotá, und fügt hinzu: „Ich denke, er ist sich bewusst, dass er den Kampf gegen den Krebs nicht gewinnen wird, egal, wie sehr er es sich wünscht.“

Die Verfassung Venezuelas verlangt, dass im Falle des Todes oder Rücktritts eines Präsidenten innerhalb von 30 Tagen ein Nachfolger gewählt werden muss. Chávez hatte bereits vor seiner Reise nach Kuba, wo er operiert wurde, erklärt, dass gegebenenfalls Maduro als Spitzenkandidat antreten solle. Erst im Oktober ist Chávez, der seit 1999 im Amt ist, für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt worden. Die Vereidigung hätte am 10.Januar stattfinden sollen, wurde jedoch trotz Beschwerden der Opposition auf unbestimmte Zeit verschoben.