Kirche

Neuer Papst soll schon vor dem 15. März gewählt werden

Nach der historischen Rücktrittsankündigung von Papst BenediktXVI. will der Vatikan die Wahl eines Nachfolgers beschleunigen.

– Wegen der besonderen Umstände könnte das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes bereits vor dem 15.März beginnen, kündigte Vatikansprecher Federico Lombardi in Rom an. Die eigentlich vorgesehene Frist von 15 bis 20 Tagen nach Beginn der Sedisvakanz („leerer Stuhl Petri“) dient normalerweise dazu, dass wahlberechtigte Kardinäle genügend Zeit haben, um aus aller Welt nach Rom zu reisen.

Benedikt will am 28.Februar zurücktreten – ein Schritt, den es in der Neuzeit noch nicht gegeben hat. Da sich die Kardinäle nach dieser Ankündigung aber entsprechend vorbereiten könnten, sei es möglich, den Beginn des Konklaves vorzuziehen, sagte Lombardi. Die kirchenrechtlichen Vorschriften zur Wahl eines neuen Papstes könnten so interpretiert werden. Unmittelbar nach dem Rücktritt von Benedikt hatte es geheißen, bis Ostern solle es ein neues Kirchenoberhaupt geben.

Italiens Hauptstadt Rom bereitet sich derweil für das an diesem Sonntag anstehende vorletzte Angelusgebet mit dem Papst auf dem Petersplatz vor. Dazu werden mehr als 100.000 Menschen erwartet. Das Gebet, das der Papst traditionell vom Fenster seines Arbeitszimmers aus mit allen Pilgern auf dem Petersplatz betet, ist auch ein erster wichtiger Test für die Behörden in Rom. Rund 1000 Einsatzkräfte sollen am Sonntag für die Sicherheit von Gläubigen, Touristen und Schaulustigen sorgen. Straßen rund um den Kirchenstaat werden für den Verkehr gesperrt.

Nach einem letzten Angelusgebet am 24.Februar und einer letzten Generalaudienz am Tag vor dem Rücktritt ist geplant, dass der Papst am 28.Februar gegen 17 Uhr mit dem Hubschrauber nach Castel Gandolfo fliegt, ehe er um 20 Uhr sein Amt niederlegen will. Dann beginnt die Sedisvakanz. In der päpstlichen Sommerresidenz vor den Toren Roms will Benedikt etwa zwei Monate bleiben. Dann kehrt er wie geplant in den Vatikan zurück, um in ein Kloster zu ziehen.

Nach Angaben seines Biografen hat Benedikt seine Erschöpfung bereits vor längerer Zeit eingeräumt. Für ein Buch über den Papst habe der Journalist Peter Seewald das Kirchenoberhaupt mehrere Male im Vatikan getroffen, zuletzt vor etwa zehn Wochen, schreibt der „Focus“. Auf die Frage, was noch von seinem Pontifikat zu erwarten sei, habe der Papst im Sommer geantwortet: „Von mir? Nicht mehr viel. Ich bin doch ein alter Mann, die Kraft hört auf.“