Verbraucher

Pferdefleisch-Skandal: Briten überprüfen alle Fertiggerichte

Nach dem Fund von Pferdefleisch in Lasagne hat die britische Behörde für Lebensmittelsicherheit (FSA) eine breite Untersuchung aller Fertiggerichte angeordnet, die laut Verpackungsangaben Rindfleisch enthalten sollen.

Zugleich schloss sie am Freitag rechtliche Schritte gegen das Unternehmen Comigel im ostfranzösischen Metz nicht aus, das Tiefkühlgerichte auch nach Deutschland, Belgien, in die Niederlande und nach Skandinavien exportiert. Seit Tagen kommen auf der Insel neue Details ans Licht. Tausende Menschen haben ohne ihr Wissen Pferdefleisch gegessen. Es sei „sehr wahrscheinlich“, dass hinter dem Skandal kriminelle Aktivitäten steckten, hieß es von der FSA.

Nach Angaben der FSA wurde in elf von 18 getesteten Lasagnen der Firma Findus, die von Comigel beliefert wurde, ein Pferdefleischanteil von mindestens 60Prozent nachgewiesen. In manchen Fällen enthielten die Gerichte sogar hundert Prozent Pferdefleisch, obwohl auf dem Etikett Rindfleisch angegeben war. Die Behörde hatte Findus bereits am Donnerstag aufgefordert, die Gerichte auch auf Phenylbutazon zu testen. Phenylbutazon ist ein Schmerzmittel für Tiere, das für Menschen gefährlich ist. Bei Pferden wird dieses Medikament häufig eingesetzt. Damit behandelte Tiere dürfen nicht zu Lebensmitteln verarbeitet werden.

Die Direktion des französischen Unternehmens mit rund 200 Mitarbeitern lehnte am Freitag eine Stellungnahme ab. Auch die Internetseite der Firma war nicht mehr aufrufbar. Findus hat nach Angaben der FSA sämtliche seiner Lasagne-Produkte aus dem Handel zurückgerufen. Verbraucher seien aufgefordert worden, die Findus-Lasagne nicht zu verzehren. Auch die Supermarktketten Tesco und Aldi zogen in Großbritannien vorsichtshalber ihre Comigel-Ware aus dem Verkehr.

FSA-Direktorin Catherine Brown forderte die britische Lebensmittelindustrie auf zu „beweisen, dass die verkauften Lebensmittel das enthalten, was auf dem Etikett steht“. Andrew Rhodes, der die Untersuchungen der Behörde leitet, nannte gegenüber der BBC zwei mögliche Gründe für den Vorfall: Die erste Hypothese sei eine „grobe Nachlässigkeit“, die zweite, dass jemand „absichtlich ein Produkt gegen ein anderes ausgetauscht habe“. In diesem Fall werde dies strafrechtliche Konsequenzen haben.

Bereits Mitte Januar hatte der Fund von Pferdefleisch in Tiefkühl-Hamburgern von Supermärkten in Großbritannien und Irland für Verunsicherung bei den Verbrauchern gesorgt. Eigentlich sollten die Hamburger aus hundert Prozent Rindfleisch bestehen. Verkauft wurden sie in Großbritannien und Irland von großen Supermarktketten wie Aldi, Lidl und Tesco. Im Gegensatz zu Frankreich ist der Verzehr von Pferdefleisch in Großbritannien und Irland tabu.