Betrug

Schavan und Merkel: Krisentreffen an einem geheimen Ort

Dieser Rückflug von einer Dienstreise dürfte der schwerste gewesen sein, den Annette Schavan (CDU) jemals angetreten ist.

Um 6.00 Uhr am Freitagmorgen startete die Regierungsmaschine im südafrikanischen Johannesburg, um am Abend in Tegel zu landen. Genau 8878 Kilometer Luftlinie waren es, die die Bildungsministerin von den Problemen trennten, die hier nach dem Entzug ihres Doktortitels wegen „systematischer Täuschung“ auf sie warten.

Womöglich noch am Abend sollte es zu einem Krisengespräch an einem geheim gehaltenen Ort mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommen, die gut eine Stunde vor Schavan aus Brüssel zurückgekommen war. Einziges Thema: Annette Schavans Zukunft nach der niederschmetternden Entscheidung des Fakultätsrats der Uni Düsseldorf, die ihre Glaubwürdigkeit infrage stellt, auch wenn sie umstritten ist. Der Ausgang dieses Gesprächs galt am Freitag als offen. Im Regierungsviertel wurde registriert, dass Schavan ausgerechnet vom SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel noch einmal Unterstützung bekam. „Mir tut es für und um Frau Schavan leid“, sagte er. Die Ministerin sei eine ausgesprochen kluge „und aus meiner Sicht auch anständige Kollegin“. Auch könne man sie nicht mit Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vergleichen. „Der war ein Aufschneider, das ist Schavan wirklich nicht.“ Trotzdem habe sie eine Situation, „mit der sie jetzt klarkommen muss“.

Der Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz sagte, er bekomme von Wissenschaftlern aus aller Welt Mails, die nicht glauben wollen, wie der Ministerin mitgespielt werde: „Wieso braucht man für einen Doktortitel mehrere Gutachter, bei der Aberkennung aber nur einen?“. Der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) plädierte dafür, den Ausgang der Klage abzuwarten, die Schavan gegen die Entscheidung eingereicht hat. In einer repräsentativen Umfrage sprach sich die Mehrheit von 59 Prozent der Bürger jedoch für ihren Rücktritt aus.