Entführung

Weltenbummler – nicht Geheimagenten

Kolumbianische Rebellen zeigen Bilder der deutschen Geiseln. Ihr Aufenthaltsort ist bekannt

Eine kolumbianische Zeitschrift hat auf ihrer Internetseite mehrere Fotos und ein Video veröffentlicht, die den Angaben zufolge die in Kolumbien entführten Deutschen zeigen. Die Bilder seien einige Wochen vor der Entführung der beiden Männer entstanden, schreibt das Magazin „Semana“. Nationale und internationale Behörden hätten die Echtheit bestätigt. Das Auswärtige Amt hatte am Dienstag die Entführung von zwei Deutschen in Kolumbien bestätigt.

Das Video und die Fotos zeigen zwei ältere Männer beim Picknick neben einem grünen Geländewagen. Sie erzählen auf dem Video, sie befänden sich seit rund anderthalb Jahren auf einer Weltreise: Von Europa seien sie mit ihrem Auto über Asien und Australien nach Südamerika gereist. In Kolumbien waren sie demnach seit Mitte Oktober unterwegs.

Zu der Entführung bekannte sich die kolumbianische Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (ELN). Die Rebellen erklärten, bei den beiden Männern handele es sich wohl um Geheimagenten. Sie seien vor mehreren Wochen in der Region Catatumbo im Nordosten des Landes nahe der venezolanischen Grenze aufgegriffen worden und hätten seitdem „ihren Aufenthalt in dem Gebiet nicht erklären“ können.

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos sagte, der Aufenthaltsort der beiden Geiseln sei den Behörden bekannt, es werde jedoch keine Militäraktion zu deren Befreiung geben, um das Leben der beiden Deutschen nicht zu gefährden. Die ELN verfügt über etwa 2500Kämpfer. Sie bekannte sich auch zur Entführung von fünf Mitarbeitern einer Bergbaugesellschaft, darunter ein Kanadier und zwei Peruaner, vor rund zwei Wochen. Gegründet wurde die ELN 1964 von Anhängern des Guerilla-Kämpfers Che Guevara. Später stießen mehrere kolumbianische Befreiungstheologen hinzu, unter ihnen der katholische Priester Camilo Torres (1929–1966). Die Entführer wollen nach Einschätzung von einheimischen Experten mit dieser Aktion ihre Beteiligung an Friedensgesprächen mit der Regierung erzwingen. Diese Strategie der linksextremen Rebellengruppe ELN sei aber riskant. So sagt León Valencia, Direktor des Instituts Nuevo Arco Iris und Experte für den kolumbianischen Bürgerkrieg: „Das Mittel der Entführung ist sicher kein guter Weg, um am Verhandlungstisch Platz zu nehmen.“