Äußerungen

Debatte über „asiatisch aussehenden Vizekanzler“

Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn stellt Akzeptanz von Philipp Rösler infrage

Philipp Rösler geht ziemlich entspannt mit der Tatsache um, dass er anders aussieht als andere Deutsche. Seine Botschaft ist klar: Er mag ein im Alter von neun Monaten adoptiertes Findelkind aus dem südvietnamesischen Khánh Hung sein, aber eigentlich kann er mit Vietnam nichts anfangen. Erst 2006, im Alter von 33 Jahren, reiste er erstmals wieder in das Land seiner Geburt, und das auch nur auf Drängen seiner Frau.

Tatsächlich ist Rösler so deutsch wie nur wenige Deutsche: Er war bei der Bundeswehr, ist zum katholischen Glauben übergetreten, seine Zwillingstöchter tragen die friesischen Namen Grietje und Gesche, er amtiert als Oldenburger Grünkohlkönig, und sein Lieblingssänger heißt Udo Jürgens.

Schließlich weist er regelmäßig darauf hin, dass er nie Probleme wegen seines Aussehens hatte und damit keinen Grund habe, über Rassismus zu klagen. Im Gegenteil: Er finde, dass „die Bürger sehr tolerant und gelassen mit der Tatsache umgehen, dass ich anders aussehe als der Durchschnittsdeutsche“.

Der hessische Justiz- und Integrationsminister allerdings hat eine andere Sicht der Dinge. Jörg-Uwe Hahn, ein Parteifreund, sieht die Akzeptanz des FDP-Vorsitzenden und Vizekanzlers wegen dessen vietnamesischer Herkunft infrage gestellt. „Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren“, sagte Hahn der „Frankfurter Neuen Presse“ . Das ist reichlich kryptisch formuliert – und führte deshalb prompt zu Interpretationen, was Hahn wohl gemeint haben könnte. Die Opposition im Landtag reagierte heftig. „Eine stillose Entgleisung“, nannte Günter Rudolph (SPD) die Einlassung. Sie unterstelle nicht nur den Menschen eine fremdenfeindliche Neigung. „Sie zeigt auch, dass der Integrationsminister selbst offenbar rassistische Tendenzen hat.“ Janine Wissler (Linke) sagte: „Hahn greift mit seiner Anspielung auf Philipp Röslers Aussehen in die allerunterste Schublade des politischen Machtkampfs.“ Wissler vermutet also, dass Hahn ein paar Wochen vor dem Sonderparteitag der FDP, auf dem Rösler in seinem Amt bestätigt werden soll, die gerade zur Ruhe gekommene Personaldebatte über die Zukunft des Parteichefs neu befeuern wollte.

Der liberale Minister wies das umgehend zurück. Per Pressemitteilung ließ Hahn klarstellen, dass er Rösler nicht habe angreifen wollen. „An seiner Kompetenz als Vizekanzler und Parteivorsitzender habe ich keine Zweifel“, ließ der Integrationsminister und stellvertretende hessische Regierungschef ausrichten. „Ich habe darauf hinweisen wollen, dass es in unserer Gesellschaft einen weitverbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus gibt.“ Dieses gesellschaftliche Problem dürfe nicht totgeschwiegen, sondern müsse offen angesprochen werden, um es zu bekämpfen. „Wer in meine Äußerung etwas anderes als dies hineinliest, versteht mich falsch.“