Expertenbericht

Irland unterstützte Zwangsarbeit für katholische Kirche

Der irische Staat ist nach Ansicht eines Expertenteams rechtlich verantwortlich für mehrere Tausend Frauen, die zur Zwangsarbeit für die katholische Kirche gezwungen wurden.

Über 10.000 Frauen und Mädchen waren von 1922 bis 1996 gegen ihren Willen in von Nonnen geleitete Wäschereien gebracht und dort zu unbezahlter Arbeit gezwungen worden. Der Expertenbericht legt dar, dass der Staat etwa ein Viertel der Opfer eingewiesen hat, oft wegen geringer Vergehen wie Schuleschwänzen.

Rund 15 Prozent der Zwangsarbeiterinnen wurden sogar mehr als fünf Jahre in den sogenannten Magdalene Laundries festgehalten und mussten täglich zwölf Stunden arbeiten. Gelang einer Frau die Flucht, brachte die Polizei sie zurück. Die Opfer wurden zudem als „gefallene Frauen“ – Prostituierte – stigmatisiert. Die meisten von ihnen waren unverheiratete Mütter oder deren Töchter.

Die Opfer der systematischen Zwangsarbeit in den irischen „Magdalenenheimen“ lehnen die Entschuldigung von Premierminister Enda Kenny ab. Die Opfergruppe Justice for Magdalenes (JFM) bewertete sie laut einem Bericht der „Irish Independent“ als unzureichend. Der rechtspolitische Sprecher der größten Oppositionspartei Fianna Fail, Niall Collins, kritisierte, dass sich Kenny nicht ausdrücklich für eine Entschädigung der Opfer ausgesprochen habe.

Nach der Vorstellung des Abschlussberichts hatte sich Kenny dafür entschuldigt, dass es so lange gedauert habe, bis die Beteiligung des Staates aufgeklärt wurde. Auch die vier betreffenden Ordensgemeinschaften entschuldigten sich bei den Opfern. Vor zwei Jahren hatte das UN-Antifolterkomitee die Praxis der Heime als Zwangsarbeit bezeichnet. In Deutschland wurde der Fall durch den Film „Die unbarmherzigen Schwestern“ bekannt, der 2002 den Goldenen Löwen der Filmfestspiele in Venedig gewann.