Kirche

Scharfe Kritik an Erzbischof nach Pogrom-Vergleich

Der Chef der Glaubenskongregation im Vatikan, Gerhard Ludwig Müller, stößt mit seinen jüngsten Äußerungen zur Lage der Kirche auf Widerspruch beim Kirchenvolk.

Auch Politiker kritisierten Müller scharf.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, sagte in München: „Wir müssen uns in der Kirche damit auseinandersetzen, warum wir mit der christlichen Botschaft immer weniger Menschen erreichen. Das kann sicher nicht nur an den Menschen liegen.“ Das ZdK ist mit rund 230 Mitgliedern das oberste Gremium der Laien in der katholischen Kirche.

Erzbischof Müller hatte in einem Interview über gezielte Diskreditierungs-Kampagnen gegen die katholische Kirche in Nordamerika und Europa geklagt. Diese hätten erreicht, „dass Geistliche in manchen Bereichen schon jetzt ganz öffentlich angepöbelt werden“, sagte der frühere Regensburger Bischof Müller. Es wachse eine „künstlich erzeugte Wut, die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung erinnert“. Immer weniger Menschen nähmen an den Eucharistiefeiern teil. Nötig sei eine „Erneuerung der Volksfrömmigkeit“, nicht aber eine Aufweichung dogmatischer Grundsätze.

Mehrere kirchenferne Politiker interpretierten Müllers Wortwahl als Vergleich mit der Judenverfolgung unter den Nazis. „Vergleiche mit dem Holocaust sind geschmacklos, wenn es um unterschiedliche Auffassungen in unserer Gesellschaft zu aktuellen Fragen wie auch der Rolle der Ehe, Familie und eingetragenen Lebenspartnerschaften geht“, sagte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). „Die Katholische Kirche muss sich drängenden Problemen stellen und kann sich nicht durch Verweis auf vermeintliche Sonderstellung ihrer Verantwortung entziehen.“

Der Parlamentsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, sagte, Kritik an der Kirche mit dem Holocaust zu vergleichen, sei „einfach daneben“. „Die Verwendung des Wortes „Pogromstimmung“ sollte er mit dem Ausdruck des Bedauerns schleunigst zurücknehmen.“