Gesundheit

Nüchternes Ende eines emotionalen Streits

Hoch emotional ist der Streit über die Präimplantationsdiagnostik (PID) über Jahre geführt worden.

Die Entscheidung am Freitag war – wie im Bundesrat üblich – sehr nüchtern. Der Bundesratspräsident, Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann, fragte: „Wer ist dafür, der Verordnung, wie soeben festgelegt, zuzustimmen?“ und stellte dann fest: „Dann ist’s so beschlossen.“ Gesundheitsminister Daniel Bahr kündigte kurz darauf an, Änderungswünsche der Länder an seiner Verordnung zu übernehmen – die PID kann kommen.

Es dürfte nach Schätzungen rund 300 Fälle im Jahr geben. Bei der PID handelt es sich um Gentests an Embryonen aus dem Reagenzglas. Als der Bundestag vor mehr als 20 Jahren das strenge Embryonenschutzgesetz beschloss, gab es die PID in Deutschland zwar noch nicht. Politiker gingen aber davon aus, dass die Gentests an Embryonen durch das bestehende Gesetz verboten seien. Doch schon vor der jetzt beschlossenen Regelung wandten Ärzte die Methode an.

So der Berliner Arzt Matthias Bloechle. Er brachte mit einer Selbstanzeige Fahrt in die Debatte. Der Bundesgerichtshof entschied 2010, dass die PID zur Entdeckung schwerer Chromosomendefekte oder Erbkrankheiten keinen strafbaren Verstoß gegen geltendes Recht darstellt. Sie war also faktisch möglich. Es gab Tränen der Rührung, als der Bundestag im Juli 2011 abschließend debattierte. Am Ende hatten die Gegner verloren, die PID wurde im engen Rahmen zugelassen – blieb aber grundsätzlich verboten.