Außenpolitik

Merkel wünscht sich mehr Deutsche mit Französisch-Kenntnis

Zum 50.Jahrestag des Elysée-Vertrags ruft Bundeskanzlerin Angela Merkel Deutsche und Franzosen auf, die Sprache des Nachbarlands zu lernen.

Dafür müsse viel mehr getan werden, auch wenn Englisch weltweit dominiere, sagte die CDU-Chefin in ihrer Videobotschaft im Internet. „Ich glaube, man kann sich in beiden Ländern nicht gut wohlfühlen oder die Länder richtig verstehen, wenn man die Sprache nicht kann.“

Merkel sagte zur freundschaftlichen Beziehung beider Staaten, Frankreich sei bei aller Nähe „in bestimmten Fragen auch trotzdem noch sehr unterschiedlich“ im Vergleich zu Deutschland. Das mache aber auch den Reiz aus: „Dass man immer diskutieren muss: Warum denken wir eigentlich anders bei bestimmten Fragestellungen? Und wenn wir dann zusammengekommen sind, dann ist meistens auch eine gute neue Lösung daraus entstanden.“

Als wichtigstes Problem Europas sieht Merkel den Kampf gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Ihre Hauptaufgabe sei, alles zu versuchen, jungen Menschen wieder Chancen in Europa zu geben. „Denn sonst werden sie Europa nicht als ihre Heimat empfinden.“

Der CDU-Politiker Andreas Schockenhoff fordert in der Wirtschafts- und Finanzpolitik eine „noch engere“ Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich. „Trotz manchmal unterschiedlicher Ausgangspositionen“ sei dies notwendig, sagte Schockenhoff der Nachrichtenagentur dapd. Dies sei der erste Schritt auf dem Weg zu einer besseren Kooperation in der gesamten Europäischen Union. Die Frage sei, „wie sich das europäische Wirtschafts- und Sozialmodell in der globalisierten Welt des 21.Jahrhunderts behauptet“.

Erstmals in seiner Geschichte hat der Bundestag am Dienstag mit den 577 Abgeordneten der Assemblée Nationale aus Paris ein komplettes Parlament eines anderen Landes zu Gast, um das 50-jährige Bestehen des Elysée-Vertrags zu feiern, mit dem die beiden „Erbfeinde“ Deutschland und Frankreich ihre Aussöhnung besiegelten. Zum Fest gehören auch ein Termin bei Bundespräsident Joachim Gauck, eine gemeinsame Kabinettssitzung, mehrere Festessen und ein Besuch in der Philharmonie. Die Reden halten Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande. Dazu wird der Gendarmenmarkt in Blau-Weiß-Rot, Schwarz-Rot-Gold und, wegen Europa, Blau mit Sternen getaucht. Dabei galt der Vertrag, den Konrad Adenauer und Charles de Gaulle am 22.Januar 1963 im Elysée-Palast unterzeichneten, einigen einst sogar als Totgeburt.