Waffenkäufe

Sturmgewehre ausverkauft

Seit dem Massaker von Newtown wächst die Nachfrage nach Waffen

Das verheerende Massaker an einer amerikanischen Schule in Newtown hat den Schusswaffenboom in den USA keineswegs ausgebremst, sondern weiter befeuert. Im Dezember wurden nach Angaben des FBI knapp 2,8 Millionen Zulassungsprüfungen durchgeführt – und damit doppelt so viele wie im Vorjahresmonat. Diese „background checks“ sind gesetzlich vorgeschrieben, wenn jemand eine Waffe erwerben will. Zwar lässt sich daraus nicht direkt die Verkaufszahl ableiten, allerdings liegt ein entsprechendes Absatzplus nahe. Dies sei ein Anstieg von 49 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und ein Rekord. Der Dezember gilt wegen Weihnachten gemeinhin als der beste Verkaufsmonat für die Waffengeschäfte des Landes. Amerikaner legen offenbar gern Waffen unter den Christbaum. Außerdem werden nach Amokläufen in den USA mehr Schusswaffen gekauft, weil strengere Vorschriften oder gar Verbote befürchtet werden.

Nach dem Amoklauf von Newtown ist in den USA – wie nach allen derartigen Vorfällen in den vergangenen Jahren – die Debatte um den Besitz von Schusswaffen neu entbrannt. Die Befürworter strengerer Waffengesetze sehen sich einer ebenso stimmgewaltigen Gruppe von Gegnern gegenüber, die sich von noch mehr Schusswaffen auch mehr Sicherheit versprechen und dabei auf die Freiheit des Individuums berufen. Die kalifornische Senatorin Dianne Feinstein hatte nach dem Massaker von Newtown als eine der Ersten schärfere Waffengesetze gefordert. Die Demokratin will zumindest die Sturmgewehre, die US-Soldaten auch im Krieg in Afghanistan benutzten, verbieten. Unterstützt wird Feinstein öffentlich von New Yorks Bürgermeister. Nach Newtown hatte der parteiunabhängige Michael Bloomberg Präsident Obama aufgefordert, endlich etwas gegen die laschen Gesetze zu unternehmen. Bloomberg weiß, wovon er spricht: Insgesamt zählte New York im vergangenen Jahr 1372 Schießereien. Obama hatte nach Newtown seinen Vize Joe Biden mit der Bildung einer Taskforce beauftragt, die bis zum März einen Entwurf für ein strengeres Waffengesetz ausarbeiten soll. Ob der Kongress dieser Initiative zustimmt, ist fraglich. Im Abgeordnetenhaus und im Senat sitzen viele Politiker, die selbst Waffenbesitzer sind und strengere Gesetze generell ablehnen.

Am 14. Dezember war ein Mann in eine Grundschule in Newtown im Bundesstaat Connecticut eingedrungen. Er tötete 20Kinder und sechs Erwachsene, bevor er Selbstmord beging. Die überlebenden Kinder und Lehrer des Massakers von Newtown haben am Donnerstag in einer neuen Schule wieder mit dem Unterricht begonnen. Bis auf Weiteres gehen die rund 500 Schüler der Sandy-Hook-Grundschule nun US-Medien zufolge an die Chalk Hill Middle School im rund 15 Kilometer entfernten Städtchen Monroe. Nach Polizeiangaben ist dies die „sicherste Schule Amerikas“. „Wir werden zu unserem normalen Stundenplan zurückkehren“, sagte die Vorsitzende des Schulbezirks, Janet Robinson. „Es wird ein normaler Tag.“