Bildungsministerin

Spekulationen um Schavans Zukunft

Bildungsministerium dementiert Bericht über angebliche Rücktrittspläne

Das Bundesbildungsministerium hat einen Bericht dementiert, wonach Ministerin Annette Schavan (CDU) über einen Rücktritt nachdenkt, falls die Universität Düsseldorf ein Verfahren zur Überprüfung des korrekten Verfassens ihrer Doktorarbeit einleitet. „Da ist nichts dran“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Zuvor hatte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ unter Berufung auf nicht näher genannte Unionskreise berichtet, Schavan habe intern bereits die Frage aufgeworfen, ob sie Ministerin bleiben könnte, sollte die Universität ein Verfahren eröffnen. In dem Artikel wird auch der FDP-Forschungspolitiker Martin Neumann zitiert, der Schavan den Rücktritt für denn Fall nahelegte, dass sich die Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit bestätigen. „Sie ist verantwortungsvoll genug, um zu wissen, welche Konsequenzen sie – je nach Ausgang – zu ziehen hat“, sagte Neumann, der forschungspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist. Neumann fügte hinzu: „Je länger so ein Verfahren läuft, desto schwieriger wird es für beide Seiten.“

Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Hochschule will sich am 22.Januar 2013 mit dem Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit der Dissertation befassen. Die Promotionskommission hatte vor wenigen Tagen eine entsprechende Empfehlung übermittelt. Medienberichten zufolge fiel die Entscheidung einstimmig. Schavan wird vorgeworfen, in ihrer 32 Jahre alten Doktorarbeit „Person und Gewissen“ einige Textpassagen unsauber übernommen zu haben.

Bisher hatte es in der Debatte um die angeblichen Plagiate in ihrer Dissertation weder aus der Koalition noch aus der Opposition Rücktrittsforderungen gegeben, sondern im Gegenteil Kritik an der Vorgehensweise der für die Prüfung der anonym im Internet gegen Schavan erhobenen Vorwürfe zuständigen Universität Düsseldorf. Auch einige hohe Funktionäre des deutschen Hochschulwesens, darunter der Präsident der Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, hatten sich schützend vor Schavan gestellt und Fairness und Sorgfaltspflicht des Verfahrens an der Universität Düsseldorf infrage gestellt. Stein des Anstoßes war hier auch, dass ein internes Universitätsgutachten beim „Spiegel“ gelandet war, bevor die Ministerin selbst dazu Stellung nehmen konnte. Schavan selbst bestreitet eine Täuschungsabsicht in ihrer 1980 eingereichten Dissertation zum Thema „Person und Gewissen“, in der sie sich mit der Problematik beschäftigt hatte, wie Gewissen und eigenverantwortliches Handeln gestärkt werden können. Offensichtlich ist bislang nur, dass sie dabei nicht immer genau war. Als fraglich gilt aber in Wissenschaftskreisen, ob die monierten Textpassagen, in denen Schavan Inhalte anderer Autoren paraphrasiert, ohne diese immer als Urheber zu nennen, tatsächlich ausreichen, um ihr eine „leitende Täuschungsabsicht“ zu unterstellen.

Schavans Doktorvater Gerhard Wehle, der die Arbeit damals mit der zweitbesten Note „magna cum laude“ benotet hatte, hält das für abwegig. Der emeritierte Professor würdigte stattdessen kürzlich die „sehr beachtliche Leistung“ Schavans, die in ihrer Dissertation einen interdisziplinären Ansatz gewählt habe. Die Arbeit habe „absolut dem wissenschaftlichen Standard“ entsprochen. Eine Dissertation aus dem Jahr 1980 dürfe nicht nur nach heutigen Maßstäben bewertet werden. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hatte der Uni Düsseldorf wegen der Indiskretionen sogar Befangenheit vorgeworfen.