Rezession

Bedroht US-Krise auch Deutschland?

Der Haushalts-Streit bei den Republikanern könnte Washington und Berlin eine Rezession bescheren. Die wichtigsten Fragen und Antworten

– Wenige Tage vor Ablauf der Einigungsfrist im US-Haushaltsstreit haben Lagerkämpfe der Republikaner die Verhandlungen zum Entgleisen gebracht. Der Verhandlungsführer der „Grand Old Party“ im Repräsentantenhaus, John Boehner, scheiterte am Widerstand in den eigenen Reihen, als er mit einem Kompromissvorschlag zur Besteuerung der Spitzenverdiener die Demokraten von Präsident Barack Obama zum Einlenken drängen wollte. Boehners „Plan B“ sah höhere Abgaben für Einkommen ab einer Million Dollar vor, während Obama diese Schwelle bei 400.000 Dollar ansetzen will. Doch konservative Republikaner lehnen Steuererhöhungen ab, verweigerten Boehner die Gefolgschaft.

Der Etatstreit droht die größte Volkswirtschaft der Welt erneut in eine Rezession zu stürzen. Schon wird ein weltweiter Flächenbrand befürchtet, der auch die deutsche Konjunktur ausbremsen und die Märkte in neue Turbulenzen bringen könnte. Misslingt die Einigung auf ein Sparpaket, könnte die Weltmacht von der „Fiskalklippe“ kippen – und in eine Rezession rutschen. Das würde die deutsche Wirtschaft schwer treffen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist die Fiskalklippe?

In den USA besagt eine Schuldenobergrenze, wie viel Geld sich der Staat leihen darf. Ist das Limit in Reichweite, muss sich die Politik auf Sparmaßnahmen einigen – sonst gibt es automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen, die sogenannte Fiskalklippe („fiscal cliff“).

Um wie viel Geld geht es?

Insgesamt geht es um mehr als 600 Milliarden Dollar (465 Milliarden Euro). Die Bank Unicredit zitiert Schätzungen der Haushaltsbehörde im US-Kongress (CBO), wonach die Folgen dieses massiven Sparprogramms für die Konjunktur dramatisch wären: Demnach würde die US-Wirtschaft im ersten Quartal 2013 um vier Prozent und im zweiten um weitere zwei Prozent schrumpfen, wenn sämtliche Steuerkürzungen und Investitionsprogramme automatisch auslaufen.

Welche Folgen hätte das für die deutsche Konjunktur?

Zuletzt wurde die deutsche Konjunktur vor allem von der Schuldenkrise im Euro-Raum gebremst. Jüngst stiegen die Erwartungen für 2013 jedoch wieder. Der zarte Aufschwung könnte allerdings durch eine US-Rezession gestoppt werden. Denn das Land ist der zweitwichtigste Markt für Deutschlands Exporteure. Zudem sind die USA immer noch Wirtschaftsmacht Nummer eins in der Welt. Das bedeutet: Eine Rezession in den USA schwächt auch andere deutsche Handelspartner, wie zum Beispiel China und Frankreich – was wiederum deren Nachfrage nach Waren „made in Germany“ drücken könnte.

Wirkt sich der Budgetstreit auf die Börsenkurse aus?

Am Freitag litten zunächst besonders Finanzwerte darunter, dass die Chancen auf eine Umschiffung der drohenden „Fiskalklippe“ gesunken sind. Sollte der Kompromiss tatsächlich misslingen, könnten sich die satten Gewinne aus 2012 zumindest teilweise in Luft auflösen. Fondsmanager Adrian Brass von Fidelity: „Die Notwendigkeit, Steuern zu erhöhen und Ausgaben zu senken, wird das Wirtschaftswachstum der entwickelten Welt voraussichtlich auf Jahre hinaus dämpfen.“

Gibt es alternative Anlagen?

Profitieren würden Anlageklassen, die als sicher gelten. So stiegen am Freitag die Kurse für deutsche Staatsanleihen deutlich. Die festgefahrenen Verhandlungen im US-Haushaltsstreit zwischen den Demokraten und den Republikanern treibe die Anleger wieder in die sicheren Häfen, hieß es in einer Einschätzung der Privatbank HSBC Trinkaus.

Wie groß ist das Risiko, dass die USA von der Fiskalklippe stürzen?

Zwar ist die Gefahr in der Nacht zum Freitag gestiegen. Doch Ökonomen wie Christian Schulz von der Berenberg Bank glauben weiter an eine Einigung: „Demokraten und Republikaner haben ein Interesse an einem Deal, der die drohende Rezession verhindert.“ Die Situation erinnere zunehmend an das Vorjahr. Damals hatte der Kongress nach einem langen Nervenkrieg die Schuldenobergrenze in letzter Sekunde angehoben. Das habe zwar die Zahlungsunfähigkeit abgewendet, sagt Schulz: „Aber die Chance auf ein echtes Sparprogramm blieb ungenutzt.“ Auch jetzt sinke die Aussicht, dass die US-Politik eine langfristige Strategie für die Rückführung des Defizits finden könnte.