Wahlkampf

Rot-grüne Schnupperstunde

Merkel-Herausforderer Steinbrück und Trittin treten gemeinsam auf

Das Sprachbild mit dem Fell und dem Bären behagt Jürgen Trittin nicht. Seine Partei sei eine mit hohem Vegetarier-Anteil, belehrt der Fraktionschef der Grünen seinen Sitznachbarn. Peer Steinbrück blickt kurz ungläubig drein. Dann entscheidet er sich zu lachen. Es kann noch heiter werden mit diesen Grünen.

Dabei hatte es der Kanzlerkandidat der SPD nur gut gemeint. Beim ersten gemeinsamen Auftritt der rot-grünen Chef-Wahlkämpfer für 2013 hatte Steinbrück die Frage beantworten wollen, ob er nach einem Wahlsieg Trittin zum Finanzminister mache. „Wir wollen den Bären erlegen, bevor wir das Fell zerteilen“, hatte Steinbrück gesagt und auch noch ein Lob für Trittin hinterhergeschoben: Dieser sei „sehr kenntnisreich“, er kenne ihn schon lange, und die Zusammenarbeit mit ihm sei gut und vertrauensvoll.

Sie müssen sich noch beschnuppern, die beiden Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Der gemeinsame Auftritt vor der Bundespressekonferenz soll dabei ein Anfang sein. Zwei Botschaften sind Steinbrück und Trittin an diesem Mittwochmittag wichtig. Die eine hat mit handfester Politik zu tun: Sie machen konkrete Vorschläge zur „Bändigung der Finanzmärkte“, wie sie es nennen. Die andere Botschaft ist eine unterschwellige: Rot-Grün mit ihnen an der Spitze wird funktionieren. Und: Wir können miteinander.

Schließlich war es nicht immer so. Man erinnere sich nur an das Frühjahr 2009, als Steinbrück Finanzminister war. „Blanken Dilettantismus“ warf Trittin dem damaligen Minister vor, weil dieser bei der Hypo Real Estate mehr als 80Milliarden Euro „versenkt“ habe, wo doch die Bank nur noch 250 Millionen Euro wert sei.

All das ist Geschichte. 2013 ist für beide die letzte Chance. Kanzler Steinbrück, Vizekanzler und Finanzminister Trittin, das wär’s. An diesem Nachmittag üben sie schon mal die Arbeitsteilung. Den Anfang macht Steinbrück. Er spricht sieben Minuten und stellt einen gemeinsamen Antrag zur Regulierung des europäischen Bankensektors vor, den SPD und Grüne im Januar in den Bundestag einbringen wollen. Dann darf Trittin. Er spricht halb so schnell und benötigt sechs Minuten. Als zentrale Forderung stellen sie sich einen Banken-Rettungsfonds vor, der mit einem Volumen von bis zu 200Milliarden Euro ausgestattet sein soll.

Zumindest Trittin hätte man vor Jahren kaum abgenommen, dass er sich intensiv mit der europäischen Finanzarchitektur auseinandersetzt. Doch im Finanzressort sieht er das Machtzentrum eines Vizekanzlers in diesen Zeiten.

„Der Größere ist Koch, der Kleinere Kellner“, hatte Gerhard Schröder 1997 in einem Streitgespräch mit Joschka Fischer gepoltert. So, wie es damals anfing zwischen Schröder und Fischer, soll es sich zwischen Trittin und Steinbrück natürlich nicht wiederholen. Daran will Trittin bei diesem Termin keine Zweifel aufkommen lassen. Das Wort vom Koch und dem Kellner spart er sich. Trittin nennt es etwas umständlich ein „Oben-unten-Verhältnis“. Und dass es dies zwischen Rot und Grün nicht geben werde.