Extremismus

Die nächste NPD ist schon da

Der einschlägige Neonazi Christian Worch hat die neue Partei Die Rechte gegründet

Christian Worch ist stolz auf seine Vorfahren. Seine Großmutter, so sagte er jüngst, habe einst dem SS-Verbrecher Klaus Barbie, dem „Schlächter von Lyon“, zur Flucht verholfen. Worchs Großvater war NSDAP-Mitglied, der Vater bei der Waffen-SS. Im Bücherregal der Mutter stand Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Das habe er gelesen, jedoch nur 120 Seiten. Denn auch Hitler habe Bücher nie zu Ende gelesen.

Seit Juni ist genau dieser Christian Worch nun nicht nur ein vorbestrafter Rechtsextremist, sondern auch Vorsitzender einer eigenen Partei. Beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit gründete der 56-jährige Hamburger im Sommer eine neue Rechtsaußenpartei. Sie nennt sich Die Rechte.

Während die Innenminister der Länder in dieser Woche beschlossen, erneut ein NPD-Verbotsverfahren zu wagen, hat sich am rechten Parteienrand längst eine Art Ersatzpartei für die Rechtsradikalen positioniert. Die Rechte steht bereit, die NPD zu beerben und wirbt schon jetzt offensiv um deren Mitglieder. Mit Erfolg. Erst vor drei Wochen lief der NPD-Kreisverband Main-Kinzig zu Worchs neuer Partei über.

Ein NPD-Verbot könnte am Ende also kontraproduktiv sein. Die rechte Szene ist derzeit höchst zerstritten. Mit Worchs neuer Partei wird der Kampf um die wenigen Wählerstimmen am rechten Rand immer härter. Aktuell sympathisiere nur ein Teil der NPD mit Worch und seinen politischen Bestrebungen, heißt es aus Sicherheitskreisen. Doch ein Verbot der derzeit 6000 Mitglieder zählenden NPD könnte scharenweise Rechtsradikale in Worchs Partei treiben.

„Es wäre potenziell nützlich für uns“, sagt Christian Worch der Berliner Morgenpost. Mit einigen NPD-Verbänden, etwa in Niedersachsen, sei man im Gespräch. Mit seiner Partei will der gelernte Rechtsanwaltsgehilfe allerdings nicht nur frustrierten NPD-Mitgliedern eine neue politische Heimat bieten. Ihm geht es um die Rechtsextremisten aller Couleur – inklusive der schwarz-braunen Straßenkämpfer.

Gegründet hat Christian Worch seine neue Partei Ende Mai zusammen mit ehemaligen Funktionären der Deutschen Volksunion (DVU) aus Schleswig-Holstein. Deren Parteiprogramm hat Die Rechte quasi übernommen. Doch im Gegensatz zur DVU will Worchs Partei auch den äußersten Rand für sich gewinnen. Kurz: die gewaltbereiten Neonazis.

Wie sehr Worch von Verboten rechter Organisationen profitiert, zeigte sich im August. Damals ließ das nordrhein-westfälische Innenministerium drei Kameradschaften in Dortmund, Aachen und Hamm verbieten. Als Reaktion trat mehr als ein Dutzend Neonazis in Die Rechte ein. So entstand der erste Landesverband der neuen Partei.

„Worch ist einer der radikalen neonazistischen Kern-Strategen in Deutschland“, warnt der Berliner Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke. Er öffne seine Partei für das gesamte rechtsextreme Spektrum. Damit wolle er gezielt der NPD schaden.

Worch selbst hat nicht das Mitgliederabwerben von der NPD zum ersten Ziel seiner Partei erklärt, sondern die Europawahl 2014. Mit Themen wie „Kampf gegen die Islamisierung“ will er Wähler gewinnen. Bei der Europawahl gilt nicht die Fünf-Prozent-Hürde. Schon bei einem Ergebnis von 0,5 Prozent würde Die Rechte staatliche Parteienfinanzierung erhalten.