Terrororganisation

Hamas-Chef erstmals seit 45 Jahren in Palästinenser-Gebiet

Der Chef der radikal-islamischen Hamas, Khaled Meschaal, ist nach 45 Jahren Exil für einen Kurzbesuch in die Palästinensergebiete zurückgekehrt.

Der 56-Jährige sei am Freitag im Gazastreifen angekommen, berichteten Augenzeugen. Am Sonnabend will Meschaal an Siegeskundgebungen teilnehmen, mit denen die Palästinenserorganisation das Ende des jüngsten Gaza-Konflikts feiern will.

Die Angriffe der israelischen Armee sowie palästinensischer Milizen aus dem Küstenstreifen waren vergangenen Monat nach acht Tagen unter ägyptischer Vermittlung beendet worden. Erstmals schoss die Hamas Raketen ab, die bis nach Tel Aviv flogen. Bislang lagen nur grenznahe israelische Gebiete in Reichweite der Hamas-Raketen. Meschaal will Hamas-Angaben zufolge nach 48 Stunden den Gazastreifen wieder verlassen.

1956 in Ramallah geboren, floh Meschaal nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 mit seinen Eltern aus dem Westjordanland nach Kuwait, wo er Physik studierte und mit der fundamentalistischen Auslegung des Islam vertraut wurde. 1987 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Hamas, deren Politbüro er seit 1996 vorsteht. Anlass seines Besuch im Gazastreifen sind auch die Feiern zum 25-jährigen Bestehen der Hamas, die seit 2007 dort herrscht.

Meschaal trat als Nachfolger Scheich Ahmed Jassins an die Spitze der Hamas. Der Physiker ist ein glühender Redner und kühl kalkulierender Politiker. Wiederholt wies er in der Vergangenheit darauf hin, dass Gewalt kein Selbstzweck sei. Zuletzt trug er als Verhandler für die Hamas in Kairo entscheidend dazu bei, dass der achttägige Gaza-Konflikt am 21.November mit einem Waffenstillstand endete.

Seine Rolle am Verhandlungstisch in Ägypten hat das politische Gewicht des verheirateten Vaters von drei Töchtern und vier Söhnen in den Reihen der Hamas erhöht. Als Chef des Hamas-Politbüros ist er der eigentliche Gegenspieler von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Ramallah. Allerdings konnte auch Abbas zuletzt mit dem erfolgreichen Antrag der Palästinenser einer Aufwertung des Beobachterstatus als Nicht-Mitgliedstaat bei den UN einen Erfolg verbuchen.