Proteste

Muslimbrüder lassen in Ägypten die Muskeln spielen

Massenkundgebungen sowohl für als auch gegen den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben am Sonnabend die Spaltung des Landes offenbart.

An der Universität von Kairo demonstrierten Tausende Anhänger Mursis, darunter zahlreiche Muslimbrüder, für dessen Machterhalt und die neue Verfassung. Jenseits des Nil fanden sich die Gegner des Staatschefs auf dem Tahrir-Platz zu Protesten zusammen.

„Die Muslimbruderschaft unterstützt Mursis Entscheidungen“ und „Gemeinsam für die Rettung der Revolution“, war auf Schildern der Demonstranten zu lesen. Unter den Kundgebungsteilnehmern waren viele verschleierte Frauen und Anhänger der Salafisten. „Das Volk fordert die Anwendung von Gottes Gesetz“, skandierten sie.

Auf der anderen Seite des Nil harrten in Kairo indes Hunderte Gegner des Präsidenten weiterhin auf dem Tahrir-Platz aus. Dort campieren sie, seit sich Mursi am 22.November mit einem umstrittenen Dekret weitere umfangreiche Vollmachten gegeben hatte, und fordern die Rücknahme dieser Erklärung. Sie kritisieren zudem die neue Verfassung, die in ihren Augen die Vorherrschaft der Islamisten zementiert. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) drohte darauf mit einem Ende der EU-Hilfen. „Die Europäische Union muss unmissverständlich klarmachen, dass es ohne plurale Demokratie in Ägypten weder wirtschaftliche noch politische Zusammenarbeit geben kann“, sagte Schulz der „FAZ“.