Gesundheit

Infektion bedeutet kein Berufsverbot

Bundesagentur für Arbeit will HIV-Kranke besser vermitteln

Wie lassen sich arbeitslose Menschen mit HIV besser in den Arbeitsmarkt integrieren? Die Bundesagentur für Arbeit und die Deutsche Aids-Hilfe habenpassend eine gemeinsame Erklärung abgegeben. Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur, und Carsten Schatz aus dem Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe unterzeichneten das Papier im Jobcenter Charlottenburg-Wilmersdorf. Damit soll sichergestellt werden, dass bundesweit Berater in den Jobcentern speziell geschult werden, um Hemmnisse zu beseitigen, damit infizierte Arbeitsuchende qualifiziert beraten werden können.

„Menschen mit HIV erleben im Berufsleben und bei der Arbeitssuche in vielfältiger Weise Diskriminierung“, sagt Schatz. „Es wird getratscht, aber auch Mobbing und Ausgrenzung oder sogar Kündigungen kommen vor.“ Hauptproblem seien Unwissenheit sowie Ängste und Vorurteile gegenüber dem Virus. „Dabei hat sich das Leben mit HIV in den vergangenen 20 Jahren verändert, mittlerweile gibt es keinen Beruf mehr, in dem ein Infizierter nicht arbeiten darf“, sagte Schatz. Das bestätigt auch Heinrich Alt. „HIV ist kein Vermittlungshemmnis und es ergibt sich daraus erst recht kein Berufsverbot. Das müssen wir uns auch in den Jobcentern und Arbeitsagenturen immer wieder vor Augen führen.“

Nach den neuesten Zahlen des Robert-Koch-Instituts leben in Deutschland derzeit knapp 80.000 Menschen mit HIV. Etwa zwei Drittel davon sind homosexuelle Männer, außerdem besonders gefährdet sind Drogensüchtige. Während die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Jahren relativ konstant blieb, stieg die Gesamtzahl der Infizierten. Das liegt vor allem daran, dass es in Deutschland gute Medikamente gibt, mit denen Betroffene eine annähernd gleiche Lebenserwartung haben wie gesunde Menschen. „Den meisten geht es so gut, dass sie auch genauso arbeiten können wie andere“, sagt Schatz.

„Erst einmal geheult“

Etwa zwei Drittel aller HIV-Infizierten in Deutschland seien berufstätig – und nicht häufiger krank geschrieben als andere Arbeitnehmer. Statistisch gesehen ist einer von 1000 Beschäftigten HIV-positiv. Doch bei einer Umfrage der Aids-Hilfe 2009 bei 22 der größten börsennotierten deutschen Unternehmen gaben nur sechs von ihnen an, HIV-positive Arbeitnehmer zu haben – zusammen 19 bei insgesamt 420.000 Beschäftigten. Der Statistik nach hätten es 420 Positive sein müssen. Für die Deutsche Aids-Hilfe ein Zeichen, dass der Großteil der Betroffenen die Infektion nicht offen zugibt.

Vorreiter und somit auch ein Gesicht der aktuellen Aidshilfe-Kampagne „HIV-positiv und mitten im Leben“ ist der 45-jährige Berliner David. Der gelernte Hotelfachmann war vor acht Jahren positiv getestet worden. „Damals habe ich mich meinen besten Freunden anvertraut, die daraufhin alle erst einmal geheult haben“, erzählt er. Er arbeitet mittlerweile in einer sozialen Einrichtung. Von seiner Infektion wissen dort nur wenige, die Geschäftsführung und direkte Vorgesetzte. David sagt: „Ich verleugne sie nicht, aber ich posaune es auch nicht heraus.“ Ob sich jemand am Arbeitsplatz outen sollte, sei eine individuelle Entscheidung. Ein Leben ohne Arbeit aber könne er sich nicht vorstellen.

Bundesagentur-Vorstand Alt weiß: „Arbeit ist für die gesellschaftliche Teilhabe sehr bedeutsam.“ Die letzten Berufsverbote etwa im medizinischen Bereich oder bei Piloten seien zudem gerade gefallen. „Somit stehen auch HIV-Infizierten alle Wege auf dem Arbeitsmarkt offen, sie müssen nur die Chance bekommen.“ Er hofft: „Wenn es uns gelingt, das Bewusstsein für Menschen mit HIV im Arbeitsleben zu schärfen, werden auch andere chronisch Kranke davon profitieren.