Recht

Experten uneins über Beschneidung von Minderjährigen

Unter Experten bleibt die religiös motivierte Beschneidung umstritten.

Am Montag machten vor dem Rechtsausschuss des Bundestages Juristen, Mediziner und Religionsvertreter ihre unterschiedlichen Meinungen zur Zulässigkeit des Eingriffs deutlich. Die Mehrheit der geladenen Experten sprach sich für das von der Bundesregierung geplante Gesetz aus, das Beschneidungen an Jungen von dessen Geburt an erlaubt und zeitlich begrenzt den Eingriff auch von religiösen Beschneidern zulässt. Andere Fachleute sehen darin dagegen einen Verstoß gegen das Kindeswohl.

Die Bamberger Rabbinerin und Medizinerin Antje Yael Deusel betonte vor dem Ausschuss, welche enorme religiöse Bedeutung die Beschneidung im Judentum habe. Eine Missachtung des Beschneidungsgebotes gelte als bewusste Abkehr vom Judentum, sagte Deusel.

Diskutiert wird über die Zulässigkeit des Eingriffs, seitdem das Kölner Landgericht die Beschneidung von Minderjährigen aus religiösen Motiven als Körperverletzung gewertet hatte. Um Rechtssicherheit herzustellen, hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Eingriff von Geburt an erlaubt, wenn medizinische Standards eingehalten werden.

Der Staatsrechtler Hans Michael Heinig lobte den Gesetzentwurf als „verfassungsrechtlich über jeden Zweifel erhaben“. Es sei richtig, die Erlaubnis im Sorgerecht zu regeln. Anders sieht es der Verfassungsrechtler Reinhard Merkel. Er sehe Mängel unter anderem bei der Frage, wie eine effektive Schmerzbehandlung bei einem religiösen Beschneider gewährleistet werden soll.