Ausland

Russland spekuliert über die Gesundheit seines Präsidenten

Putin soll an schweren Rückenproblemen leiden

Nach den deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Moskau wird wieder über die Gesundheit des russischen Präsidenten Wladimir Putin gerätselt. Der Grund dafür ist, dass Putin und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Pressekonferenz dieses Mal im Sitzen und nicht wie sonst üblich im Stehen abgehalten haben. Das mag ein Zufall gewesen sein, doch in der letzten Zeit gab es mehrere solcher Zufälle, die darauf hindeuten könnten, dass der russische Präsident nicht ganz so fit ist, wie er es gerne darstellt.

Auslandsreisen abgesagt

Seit Anfang Oktober hat Putin seine Residenz in Nowo-Ogarjowo selten verlassen. Dort arbeitete er und empfing seine Besucher. Die offizielle Erklärung lautete: Putin wolle nicht den Verkehr in Moskau stören, wenn sein Autokorso in den Kreml fährt und die Straßen gesperrt werden. Aber auch alle seine Auslandsreisen und Besuche, etwa nach Indien, in die Türkei und nach Bulgarien wurden aus unterschiedlichen Anlässen auf einmal von Oktober und November auf Dezember verschoben. Am 5. Oktober war Putin in Tadschikistan, zwei Tage später feierte er seinen 60. Geburtstag in der Heimatstadt Sankt-Petersburg. Seitdem blieb er in Moskau. Der Eröffnung eines riesigen Gasvorkommens auf der Halbinsel Jamal am 23. Oktober hat er lediglich per Videokonferenz zugeschaut, obwohl er früher geplant hatte, selbst daran teilzunehmen. Auch seine jährliche Videobrücke mit den russischen Bürgern, die in der Regel mehrere Stunden dauert, wurde abgesagt. Offiziell hieß es, Putin habe Mitleid mit den Menschen, die in der Kälte ausharren müssten, um ihm eine Frage zu stellen.

Die Medien fingen an, darüber zu spekulieren, dass der Kreml-Chef ernsthafte Probleme mit seinem Rücken hat. Eine anonyme Quelle der Nachrichtenagentur Reuters will Putin im Oktober sogar in einem orthopädischen Korsett gesehen haben, eine andere Quelle sagte, dass er womöglich eine Operation brauche.

Auch die russische Zeitung „Wedomosti“ schrieb unter Berufung auf anonyme Quellen, dass sich Putins alte Verletzung nach seinem Flug mit den Kranichen im September verschlimmert habe. Während des Apec-Gipfeltreffens in Wladiwostok, kurz nach dem berühmten Drachenflug, bemerkten mehrere Journalisten, dass er humpelte. Putins Pressesprecher Dmitri Peskow reagierte sofort auf die Gerüchte: „Der Flug mit den Kranichen hat nichts verschlimmert. Eine Art alte Verletzung gab es, und wir haben darüber bereits in Wladiwostok gesprochen. Aber das ist keine alte Verletzung, das ist eine normale Sportverletzung, damals hat sich Putin einen Muskel gezerrt. In Wladiwostok haben wir das nicht verschwiegen“, sagte er dem Radiosender Kommersant FM. Alle anderen Spekulationen der Medien entsprächen nicht der Wahrheit, eine Operation brauche Putin nicht, so Peskow. Auch der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedjew sagte Anfang der Woche, dass es seinem „Tandempartner“ gut geht. „Nichts Ernsthaftes. Jeder von uns hat seine Wehwehchen“, sagte Medwedjew. Putin müsse viel Sport treiben, um in guter Form zu bleiben.

Image eines starken Landesvaters

Der 60-jährige Putin kultivierte sein Image eines gesunden und starken Landesvaters. Er ließ sich immer wieder gerne mit nacktem Oberkörper fotografieren und zeigte seine Muskeln. Mit seinen Stunts wurde er im Fernsehen als ein Superman dargestellt. Er fuhr Ski, machte Judo, saß selbst am Steuer eines Fliegers und tauchte ins Schwarze Meer. Auch deshalb wird jetzt in Russland mit Misstrauen über Putins Rücken gerätselt. Das Schweigen über seine Gesundheit erinnerte viele an die Sowjetzeiten, als das Volk über die Krankheiten von Parteifunktionären nichts erfahren durfte.