Konflikt

Israel schießt erstmals seit 1973 Richtung Syrien

Streitkräfte sprechen von Warnung. Luftwaffe greift zudem mehrere Ziele im Gazastreifen an

Nach der Türkei hat sich auch Israel militärisch in den Bürgerkrieg in Syrien hineinziehen lassen: Israelische Soldaten gaben erstmals seit Jahrzehnten einen Warnschuss in Richtung Syrien ab. Unmittelbar zuvor habe eine aus Syrien abgeschossene Granate einen israelischen Militärposten auf den Golanhöhen getroffen, meldete die Armee. Regierungschef Benjamin Netanjahu warnte, Israel beobachte sehr genau die Ereignisse an seiner Grenze zu Syrien und sei auf alle Eventualitäten eingestellt.

Beim Einschlag der syrischen Granate nahe der Ortschaft Alonei Habaschan auf den Golanhöhen am Sonntagmorgen wurde niemand verletzt, wie es beim israelischen Militär hieß. Nach Angaben des israelischen Rundfunks handelte es sich bei der Reaktion der Soldaten um den ersten Schuss in Richtung syrischer Streitkräfte seit dem Jom-Kippur-Krieg von 1973. Damals hatte Syrien versucht, die von Israel besetzten Golanhöhen zurückzuerobern. Israel hatte die Angreifer damals vollständig zurückgedrängt.

Die Soldaten hätten am Sonntag eine äußerst präzise Panzerabwehrrakete vom Typ Tamus abgefeuert und absichtlich Ziele verfehlt, berichtete ein hochrangiger Militärvertreter. Zugleich reichte Israel eine Beschwerde bei den auf den Golanhöhen stationierten UN-Truppen ein. Darin hieß es, die Schüsse aus Syrien würden nicht toleriert „und unsere Antwort wird unnachgiebig sein“.

In den vergangenen Tagen waren von syrischem Gebiet aus mehrere Granaten auf die von Israel besetzten Golanhöhen abgefeuert worden. Offenbar handelte sich bei den Schüssen um Querschläger der Auseinandersetzungen zwischen den Konfliktgruppen in Syrien. Die israelische Regierung warnte Syriens Führung vor einer Ausweitung der Grenzzwischenfälle.

Vergangene Woche hatte zudem der israelische UN-Botschafter Ron Prosor in einem Schreiben an den UN-Sicherheitsrat gegen das Eindringen syrischer Soldaten in die Pufferzone auf den Golanhöhen protestiert. Während des Sechs-Tage-Kriegs 1967 hatte Israel einen Teil der Golanhöhen erobert, den Syrien im Jom-Kippur-Krieg vergeblich zurückzugewinnen versuchte. Syrien fordert von Israel das besetzte und 1981 annektierte Gebiet zurück. Die UNO erkennt die Annexion nicht an. Israel und Syrien befinden sich offiziell weiterhin im Kriegszustand. Seit einem Abkommen der beiden Nachbarländer von 1974 patrouillieren etwa 1200 unbewaffnete UN-Blauhelmsoldaten in dem Gebiet.

Im Gazastreifen sind am Wochenende mindestens sechs Palästinenser getötet und acht Israelis verletzt worden. Die israelische Luftwaffe flog nach eigenen Angaben sieben Angriffe auf Ziele im Gazastreifen. Zuvor seien rund 60 Raketen von dort gegen Israel abgeschossen worden. Die israelische Luftwaffe griff unter anderem eine Waffenwerkstatt, Waffenlager und Abschussrampen für Raketen an, wie das Militär meldete.

Unter den Todesopfern der Angriffe waren palästinensischen Angaben zufolge zwei Kämpfer der Al-Quds-Brigaden, zudem wurden vier Zivilisten im Alter zwischen 15 und 20 Jahren getötet. Mindestens 32 Menschen wurden nach Angaben palästinensischer Ärzte verletzt.