Extremismus

Gedenksteine an NS-Opfer mit roher Gewalt entfernt

Stolpersteine aus dem Boden gerissen: Vor dem Jahrestag der Reichspogromnacht sind alle in Greifswald verlegten Steine zur Erinnerung an örtliche Opfer des Nationalsozialismus entwendet worden.

Unbekannte entfernten die elf Gedenksteine an verschiedenen Orten in der Stadt „mit roher Gewalt“, wie ein Polizeisprecher meldete. Von einem rechtsextremistischen Hintergrund und einem Zusammenhang zum Jahrestag der NS-Pogromnacht sei auszugehen. Der Staatsschutz der Polizeiinspektion Anklam ermittelt. In der Nacht vom 9. auf den 10.November 1938 hatten Nationalsozialisten Synagogen in ganz Deutschland in Brand gesteckt.

Der Präsident des Polizeipräsidiums Neubrandenburg, Knut Abramowski, sprach von einer „widerwärtigen Tat“ und setzte für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von 2500 Euro aus. „Ich verurteile diesen hinterhältigen Anschlag aufs Schärfste“, sagte Abramowski.

Die Stolpersteine sollen in vielen Städten Deutschlands an zur NS-Zeit vertriebene oder getötete Einwohner erinnern. Der Künstler Gunter Demnig aus Frechen bei Köln lässt sie seit Jahren vor dem letzten Wohnort der Opfer ein. Sie sollen „die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig halten“, heißt es in der Projektbeschreibung.

Schon mehrfach wurden Stolpersteine beschädigt. Erst im Oktober beschmierten Unbekannte im brandenburgischen Zossen dort eingelassene Steine mit schwarzer Farbe. Die Greifswalder Steine wurden offenbar zwischen Donnerstagnachmittag und Freitagmorgen entwendet. Hinweise auf die Täter fehlen.