Polnische Medien

Rücktrittsangebot nach Attentatsbericht

Polnischer Chefredakteur relativiert Informationen über Sprengstoffspuren

Der Chefredakteur der polnischen Zeitung „Rzeczpospolita“, Tomasz Wroblewski, hat seinen Rücktritt angeboten. Hintergrund ist ein Artikel vom vergangenen Donnerstag. Darin wurde berichtet, am Wrack der im Jahr 2010 mit Präsident Lech Kaczynski an Bord in Russland abgestürzten Tupolew seien Sprengstoffspuren gefunden worden. Polnische Staatsanwälte und Pyrotechniker hatten demnach Anfang Oktober von Moskau die Genehmigung erhalten, das Wrack persönlich untersuchen zu dürfen.

Die Nachricht schien die Behauptung der Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit zu stützen, dem Absturz sei eine Explosion vorausgegangen. Das schien ins Bild zu passen: Lech Kaczynski war in der EU der schärfste Kritiker der Außenpolitik Wladimir Putins. Die Nachricht hatte zu Aufregung in der Politik geführt. Nun ist mehr über die Umstände bekannt geworden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, am Vortag der Veröffentlichung habe Generalstaatsanwalt Andrzej Seremet Wroblewski, getroffen. Dieser habe gefragt, ob die Information über Sprengstoff zutreffend sei. Seremet antwortete, die Messgeräte hätten Spuren von „hochenergetischen Materialien“ gefunden, wie sie in Sprengstoffen, aber auch in anderen Stoffen auftreten. Er bat die Zeitung, der Staatsanwaltschaft Zeit für eine detaillierte Stellungnahme zu geben. Doch die Zeitung druckte den Text umgehend.

Wenige Stunden danach ein halber Rückzieher: Man habe über Stoffe berichtet, die Bestandteile von Sprengstoff „sein konnten, aber nicht mussten“, so „Rzeczpospolita“. Am Freitag folgte Wroblewskis Rückzugsangebot. Derweil sagte der Chef der damaligen Untersuchungskommission, eine Explosion werde ausgeschlossen. Dennoch haben polnische Ermittler Materialproben vom Wrack entnommen, die Staatsanwaltschaft kündigte neue Analysen an. Auch mit der Identifizierung der Absturzopfer gab es Probleme: Nach Zweifeln waren Leichen der Absturzopfer exhumiert worden, mindestens in zwei Fällen war es bei der Identifizierung zu Verwechslungen gekommen.