US-Wahlkampf

Wenn Naturkatastrophen Politik verändern

s war ein Bild mit vernichtender Symbolkraft: Im August 2005 saß US-Präsident George W. Bush in seinem Hubschrauber „Marine One“ und starrte mit versteinertem Gesicht auf das von „Katrina“ verwüstete New Orleans.

E Auf diesem Foto, das um die Welt ging, wirkte Bush genauso überfordert, wie er tatsächlich war. Der republikanische Präsident, der nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 noch den entschlossenen „Commander-in-Chief“ gegeben hatte, handelte im Angesicht der Naturkatastrophe zu zögerlich und verlor das Vertrauen seines Landes. Seine Zustimmungswerte sanken auf nur noch 38 Prozent. „,Katrina‘ zeigte, dass er inkompetent ist“, sagte der frühere Gouverneur von Vermont und Chef der Demokraten, Howard Dean.

Dieses abschreckende Beispiel hat der derzeitige Amtsinhaber Barack Obama beim „Sandy“-Krisenmanagement deutlich vor Augen. Packt er entschlossen zu und lässt nicht los, beeinflusst er das weitere Schicksal Amerikas und der Welt. Scheitert er hier, so könnte er auch bei der Wahl am Dienstag scheitern. Nach dem Stand der Dinge hat sich Obama aber im Sturm bewährt. Vor zwei Tagen hatte selbst der republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, Obama für sein Engagement gelobt. Am Donnerstag empfahl der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg Obama zur Wiederwahl und lobte ihn für seine Führerschaft beim Thema Klimawandel. Die Sturmkatastrophe steht für Bloomberg im Zusammenhang mit der Erderwärmung.

Dass Naturkatastrophen politische Karrieren zerstören oder befördern können, ist ein bekanntes Phänomen. Man denke nur an den Tsunami in Japan. Die durch die Riesenwelle ausgelöste Reaktorkatastrophe von Fukushima veränderte die Einstellung eines ganzen Landes zur Atomenergie und ließ spontan eine grüne Partei aufblühen. Die Regierung verlor das Vertrauen des Volkes, Premierminister Naoto Kan scheiterte spektakulär am Krisenmanagement und trat zurück.

Schröder und die „Jahrhundertflut“

Und natürlich ist in Deutschland die Flut von 1962 unvergessen, bei der ein Hamburger Innensenator namens Helmut Schmidt, seine Amtsbefugnisse großzügig auslegend, die entscheidenden Kompetenzen bei sich bündelte und so wirksam handeln konnte. Dieses entschlossene Handeln in der Krise trug „Macher“ Schmidt einen Ruf wie Donnerhall ein und legte den Grundstein für eine Karriere, die ihn bis ins Kanzleramt führte.

In jüngerer Zeit ist die „Jahrhundertflut“ an der Elbe im August 2002 in Erinnerung, die nach Ansicht vieler politischer Beobachter Bundeskanzler Gerhard Schröder wider Erwarten die Wiederwahl sicherte. Mit sicherem Instinkt hatte er die Chance erkannt. Er stand in Gummistiefeln auf durchweichten Deichen, sprach Geschädigten Mut zu und versprach unbürokratische Hilfe. Vor der Flut hatten Union und FDP klar in Führung gelegen, doch bei der Bundestagswahl am 22. September reichte es noch einmal für Rot-Grün. Der Machtmensch Schröder hatte sich ebenfalls als „Macher“ profiliert.

Wenige Jahre zuvor hatte bereits eine andere „Jahrhundertflut“ eine politische Karriere befördert – die an der Oder 1997. Der zuvor relativ unbekannte brandenburgische Umweltminister Matthias Platzeck war permanent im Fernsehen zu sehe und wurde rasch zu einer bekannten Größe. Die Katastrophe an der Oder war politisch auch deswegen so wirkmächtig, weil sie Westen und Osten Deutschlands zusammenschweißte. Platzeck wurde 2002 Ministerpräsident von Brandenburg.