Hurrikan "Sandy"

Das große Aufräumen hat begonnen

Nach Sturm „Sandy“ befürchtet New York City eine Rattenplage, New Jersey kämpft gegen Öl-Unfall

Nach dem Jahrhundertsturm „Sandy“ mit mindestens 72 Toten an der US-Ostküste laufen in den überschwemmten Gebieten die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. In einigen Regionen trat wieder Normalität ein – an manchen Orten wie etwa New York allerdings nur sehr schleppend. Experten fürchten, dass die unzähligen Ratten aus dem New Yorker Untergrund vom Wasser an die Oberfläche gedrängt werden könnten – schon macht das Schlagwort „Rattokalypse“ (“Ratpocalypse“) die Runde.

Rick Ostfeld, Umweltfachmann am Cary Institute of Ecosystem Studies, bestätigt diesen Verdacht: „Nur wenige Ratten sind durch die Fluten ums Leben gekommen“, sagt Ostfield. „Denn so schnell, wie die Wassermassen steigen, so schnell können auch die Ratten emporlaufen.“ Andere Experten gehen jedoch davon aus, dass sich die hochgeschwemmten Ratten, sobald das Wasser zurückgehe, wieder in ihr ursprüngliches Gebiet zurückziehen.

Größere Sorgen bereitet indes ein anderer Unfall: Im Zusammenhang mit „Sandy“ flossen in einer Raffinerie in New Jersey mehr als eine Million Liter Diesel ins Meer. Wie der Fernsehsender CNN berichtete, wurde durch das Unwetter ein Tank in einer Raffinerie aufgerissen. Demnach waren rund 100 Arbeiter unter Aufsicht der Küstenwache im Einsatz, um das ausgelaufene Öl zu beseitigen.

Obendrein gab das Energieministerium bekannt, dass weiterhin drei Kernkraftwerke in den Unwettergebieten außer Betrieb seien. Lediglich der Reaktor Indian Point im Staat New York solle in den nächsten Tagen wieder ans Netz gehen, gab ein Sprecher der Atomaufsichtsbehörde NRC, Neil Sheehan, bekannt. Sheehan betonte, es gebe keinerlei Ähnlichkeiten mit dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima.

Neben der eingeschränkten Energieversorgung kämpfen vor allem die New Yorker mit einer eingeschränkten Infrastruktur. Das südliche Manhattan und einige Gebiete von Brooklyn und Queens sind von Normalität noch weit entfernt. Die so wichtige U-Bahn in New York sollte am Donnerstag wieder fahren – zumindest ein paar Züge. „Es wird einen begrenzten Dienst geben mit einem Busersatzverkehr zwischen Manhattan und Brooklyn“, sagte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo.

Um das Verkehrsaufkommen auf das Nötigste zu reduzieren, verhängte Bürgermeister Bloomberg ein Verbot für Autos mit weniger als drei Insassen nach Manhattan. Die Regel, die zwischen 6.00 Uhr morgens und Mitternacht (Ortszeit) gilt, solle Pendlern das Leben einfacher machen. Ähnliche Maßnahmen gab es nach den Anschlägen am 11.September 2001.

Weil die Tunnel unter dem East River noch voll Wasser sind, müssen die Fahrgäste auf dem Weg in den anderen Stadtteil auf die Busse umsteigen. „Allerdings wird es keinen Verkehr südlich der 34.Straße geben, weil da schlicht kein Strom ist“, sagte Cuomo. Das ist das gesamte südliche – und vielleicht wichtigste – Drittel von Manhattan. Immerhin: Die internationalen Flughäfen John F. Kennedy und Newark sind wieder geöffnet, die Zahl der Starts und Landungen reicht aber nicht annähernd an den Standard mit 130.000 Passagieren pro Tag heran.

Zwischen New York und New Jersey fahren zudem wieder einige Fähren, für die bei Touristen beliebte „Staten Island Ferry“ gibt es aber keinen Starttermin. Und auch im Straßenverkehr gibt es noch Probleme: Viele Ampeln sind kaputt oder haben keinen Strom. Die Schulen in New York bleiben auf Anordnung Bloombergs noch bis Ende der Woche geschlossen. „Mir ist klar, dass das für Eltern große Unannehmlichkeiten bedeutet“, sagte der Bürgermeister.

Wirtschaftsexperten schätzen die Sachschäden auf zehn bis 20 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro). Damit würde sich „Sandy“ in die zehn teuersten Stürme der USA einreihen. Hinzu kommt der tagelange Stillstand in vielen Firmen. Trotzdem gehen Ökonomen nur von einer geringen Belastung für die Gesamtwirtschaft aus.

Die Spendenbereitschaft der Amerikaner ist groß. Mehr als elf Millionen Dollar (etwa 8,5 Millionen Euro) seien bereits zusammengekommen, berichtete das Rote Kreuz am Mittwoch. Außerdem meldeten sich zahlreiche spendierwillige Prominente und Firmen. Derweil soll der New-York-Marathon wie geplant am Sonntag über die Bühne gehen. Das erste Saisonspiel der Brooklyn Nets in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA gegen den Lokalrivalen New York Knicks muss dagegen verschoben werden.