Wirtschaft

Spaniens Arbeitslosigkeit auf höchstem Stand seit gut 35 Jahren

Die Rezession in Spanien treibt die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit der Rückkehr zur Demokratie Mitte der 70er Jahre.

Im Sommerquartal war jeder vierte Spanier ohne Job. Die Arbeitslosenquote kletterte von 24,6 auf 25 Prozent, wie das nationale Statistikamt meldete. In der EU ist die Quote nur in Griechenland mit 25,1 Prozent minimal höher. Organisationen wie das spanische Rote Kreuz und die Caritas berichten, dass Zehntausende Menschen Geld- und Nahrungsmittelhilfe benötigen. Für den 14. November haben die Gewerkschaften zu einem Generalstreik aufgerufen. Aus ihrer Sicht würgt die Regierungspolitik die Wirtschaft ab und gefährdet das Sozialsystem. In Madrid gingen die Mitarbeiter der U-Bahn in einen Bummelstreik und verursachten ein Verkehrschaos.

Spanien leidet seit dem Platzen der Immobilienblase unter einem heftigen Konjunkturabschwung und rutschte seit der Schuldenkrise immer tiefer in der Rezession. Die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy will mit eisernem Sparkurs umsteuern, um verlorenes Vertrauen an den Finanzmärkten zurückgewinnen. Geplant sind deshalb Budgetentlastungen von rund 60 Milliarden Euro bis 2014. Auf die Bevölkerung kommen harte Zeiten zu – sie muss Steuererhöhungen und Gehaltskürzungen verkraften. Der Sparkurs trifft deshalb auf starken Widerstand, die Gewerkschaften haben für den 14. November zum Generalstreik aufgerufen.

Bei der Arbeitslosigkeit ist nach Ansicht von Experten das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Die Regierung sei zu optimistisch, was das Wirtschaftswachstum für 2013 betreffe, sagte Analyst Silvio Peruzzo von der Nomura-Bank. Die Regierung erwartet für nächstes Jahr ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent, Experten hingegen rechnen mit einem dreimal so starken Rückgang. „Ein schwächeres Wachstum als erwartet, verbunden mit dem Sparkurs, könnte die Arbeitslosenquote nächstes Jahr leicht auf 26 Prozent hochtreiben“, sagte Peruzzo. Für 2012 stellt sich die Regierung nach offizieller Schätzung auf ein BIP-Minus von 1,5 Prozent ein. Demnach soll die Arbeitslosenquote bis 2014 nicht unter die Marke von 24 Prozent fallen.

Spanien hat für seine Banken bei den Euro-Partnern bereits Hilfen in Milliarden-Höhe beantragt. Zudem prüft die Regierung, ob sie unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen sollte.