Militär

Nato sichert Türkei Hilfe gegen Syrien zu

Notfallplanungen laufen. Weitere Kampfflugzeuge an die Grenze verlegt

Die Türkei hat nach den Eskalationen der letzten Tage entlang der Grenze zu Syrien weitere Panzer, Artillerie und 25 Kampfflugzeuge vom Typ F-16 in den Südosten der Türkei geschickt. Die Flugzeuge landeten auf dem Stützpunkt Diyarbakir. Ohnehin unterhält die Türkei in der Region eine starke Luftwaffenpräsenz, da oft Flugzeugeinsätze gegen Stellungen der kurdischen PKK im Nordirak – oder sogar im eigenen Land – geflogen werden.

Zugleich zitierten die Medien den Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen mit den Worten, die Allianz habe „Pläne, die Türkei, falls nötig, zu verteidigen“. Beim zeitgleich stattfindenden Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel hieß es, damit seien lediglich die üblichen Notfallplanungen gemeint, die für die Sicherheit aller 28 Mitglieder angelegt werden. Der Türkei als ein Grenzland der Allianz zu einer extrem instabilen Region kommt ohnehin besondere Aufmerksamkeit zu. Angesichts des Bürgerkriegs im Nachbarland sollten die Notfallpläne nun noch intensiver ausgearbeitet werden. In Brüssel wollte man dies zwar nicht bestätigen. „Die Nato aktualisiert die Notfallplanung für ihre Mitglieder regelmäßig“, erklärte ein Sprecher. Dennoch war die Bemerkung Rasmussens, dass „alle notwendigen Pläne vorbereitet sind, um die Türkei, wenn notwendig, zu schützen und zu verteidigen“ vom Sprachgebrauch her mehr, als bisher von der Nato zur Krise zu hören gewesen war. Angesichts der sich täglich verschärfenden Lage in Syrien sieht sich das Verteidigungsbündnis, das um keinen Preis in den Konflikt hineingezogen werden will, zur verschärften Rhetorik gezwungen. Zugleich sagte der türkische Staatspräsident Abdullah Gül, in Syrien entwickele sich „das schlimmste denkbare Szenario“. Es werde dort bald zu einem ungeordneten, chaotischen Machtwechsel kommen, mit unkalkulierbaren Risiken für die ganze Region.

Nächste Woche wird der russische Staatspräsident Wladimir Putin in Ankara erwartet. Der Besuch steht nach allgemeiner Auffassung in engem Zusammenhang mit der Syrienkrise und deren militärischer Eskalation. Seit Mittwoch vergangener Woche war die Türkei mehrfach von Granaten getroffen worden, die aus Syrien kamen. Zwar hatte es solche Zwischenfälle auch früher gegeben, erstmals waren dabei jedoch am Mittwoch fünf türkische Staatsbürger ums Leben gekommen, eine Mutter und ihre vier Kinder. Seither hat türkische Artillerie fast jeden Tag syrische Ziele beschossen. Türkische Kommentatoren gehen geschlossen davon aus, dass das Assad-Regime die Möglichkeit einer Internationalisierung des Konflikts betonen möchte, um eine Intervention abzuwehren. Andere Stimmen halten es für möglich, dass syrische Rebellen die Türkei in den Krieg hineinziehen möchten.

Eine Intervention türkischer Landstreitkräfte ist allerdings sehr unwahrscheinlich, zumal eine Verwicklung der Türkei in den Bodenkrieg im Volk sehr unbeliebt wäre. Ein denkbarer zweiter Schritt wären Luftangriffe.