Religion

Beschneidung: „Ich bin sehr glücklich über dieses Gesetz“

Juden und Muslime begrüßen Gesetzentwurf

Juden und Muslime in Deutschland haben den Gesetzentwurf zur religiösen Beschneidung begrüßt. „Ich bin sehr glücklich über dieses Gesetz“, sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Es sei ausgewogen und wichtig.

Als nicht notwendig bezeichnete die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern die verpflichtende medizinische Beratung. Jüdische Eltern würden den Eingriff aus einer freien Entscheidung vornehmen und eine Beratung bei Bedarf in Anspruch nehmen. Dass die Beschneidung nicht nur von Ärzten, sondern auch von Beauftragten durchgeführt werden könne, sei im Interesse der jüdischen Gemeinschaft, fügte Knobloch hinzu. „Für uns ist sehr wichtig, dass ausgebildete Fachleute diesen Eingriff vorführen, und das ist auch der Fall.“

Die Bundesregierung hat sich laut Zeitungsbericht auf einen Gesetzentwurf zur Beschneidung von Jungen geeinigt. Die Regelung im Kindschaftsrecht soll es Eltern unter bestimmten Voraussetzungen erlauben, an ihrem Sohn die Beschneidung der Penis-Vorhaut aus religiösen oder hygienischen Gründen vornehmen zu lassen. Der abgestimmte Gesetzentwurf soll bereits am kommenden Mittwoch im Kabinett verabschiedet und danach im Bundestag eingebracht werden.

Sorge um Kindeswohl

Kritik äußerte Knobloch an der Debatte in Deutschland. „Ich bin sehr traurig über die vermeintlichen, fanatischen Experten, die nicht in juristischer oder medizinischer Hinsicht diskutieren, sondern ganz klar antisemitische und religionsfeindliche Argumentationsmuster suchen.“ Die Diskussion habe der Bundesrepublik international geschadet.

Zuvor hatte auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) den Gesetzentwurf begrüßt. In der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek: „Die Beschneidung im Islam kann jeder Sachkundige vornehmen, auch eine Frau.“ In der Regel werde aber von Muslimen ein Arzt oder eine Ärztin in Anspruch genommen.

Mazyek befürchtet jedoch auch eine mögliche Gefährdung für den Fall einer ausbleibenden Beschneidung. „Wenn Außenstehende vehement dem Kind ihre ablehnende Haltung zur Beschneidung aufoktroyieren wollen und so das Kind stark verunsichern und in ein zum minimalen körperlichen Eingriff unverhältnismäßigen Konflikt stürzen, ist das eine Gefahr für das Kindeswohl.“

Die Deutsche Kinderhilfe lehnt den von Union und FDP erarbeiteten Gesetzentwurf zur Beschneidung von Jungen ab. Der nun vorliegende Entwurf bestätige Befürchtungen, „dass die im Hauruck-Verfahren in einer ,Augen zu und durch‘-Mentalität geplante gesetzliche Regelung zur Legalisierung von Beschneidungen mehr Probleme bereitet als löst“, sagte der Vorstandsvorsitzende Georg Ehrmann. Kritisiert wird vor allem, dass der Eingriff bis zum sechsten Lebensmonat des Kindes Nichtmedizinern erlaubt sein soll, die keine Betäubung geben dürfen.