Extremismus

Terrorverdächtige kämpften offenbar gegen Gaddafi

Libyens Parlamentspräsident hat eingeräumt, dass während des Aufstandes gegen Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi militante Islamisten aufseiten der Revolutionäre kämpften.

Die Revolutionsbrigaden und die Nato hätten auch mit Leuten zusammengearbeitet, die in Verdacht standen, Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida zu haben, sagte Mohammed al-Magarief in einem Interview, das die arabische Tageszeitung „al-Hayat“ veröffentlichte.

„Die Lage war damals so, dass man von allen verfügbaren Elementen profitieren musste“, verteidigte er die Haltung der Revolutionäre.

Heute hätten die militanten Islamisten sehr wenig Rückhalt. Die Zahl der Libyer, die sich diesen Gruppierungen angeschlossen haben, schätzte al-Magarief auf maximal 200. Bei einem Angriff militanter Islamisten auf die US-Vertretung in Bengasi waren am 11. September Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner getötet worden.

Al-Magarief verwies auch auf die Gefährdung durch grenzüberschreitende Operationen islamistischer Terrorgruppen in Nordafrika. Die Geheimdienstkooperation zwischen Nachbarstaaten müsse ausgebaut werden, sagte er. Das neue Libyen solle ein „ziviler, säkularer, demokratischer Verfassungsstaat“ sein.

Die libyschen Revolutionäre, die Muammar al-Gaddafi zu Fall brachten, haben sich unterdessen einen neuen Diktator ausgesucht, den es zu stürzen gilt: den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Verhasst ist er ihnen, weil er ein säkularer Herrscher ohne Religion ist. Vor allen Dingen aber, weil er mit Gaddafi befreundet war und sein Regime auch fast bis zum Schluss militärisch unterstützte.

( BM )