Justiz

Produzent des Mohammed-Films in Haft

55-Jähriger hat gegen Bewährungsauflagen verstoßen. Gericht lehnt Kaution ab. Neue Proteste weltweit wegen Schmähvideos

Es hat einige Zeit gedauert, nun hat die Polizei den mutmaßlichen Drahtzieher hinter dem islamfeindlichen Schmähvideo „Die Unschuld der Muslime“ in Kalifornien festgenommen. Grund war nicht der Inhalt des Films, der zu gewaltsamen Protesten in einigen islamischen Ländern führte, sondern ein möglicher Verstoß gegen Bewährungsauflagen. Die Richterin entschied in Los Angeles, Nakoula Basseley Nakoula bleibe bis auf Weiteres in Untersuchungshaft.

Zuvor waren die Behörden zu dem Schluss gekommen, dass der Verdächtige gegen seine Bewährungsauflagen verstieß. Demnach darf der heute 55-Jährige nach seiner Verurteilung wegen Bankbetrugs fünf Jahre lang ohne vorherige Erlaubnis weder Computer noch das Internet nutzen oder unter falschem Namen auftreten. Staatsanwalt Robert Dugdale sagte allerdings, der Film spiele eine Rolle bei der Festnahme. Schließlich bestehe die Gefahr, dass Nakoula wegen des Aufruhrs um den Film versuchen könnte zu fliehen.

Sein Anwalt, Steven Seiden, beantragte eine Freilassung seines Mandanten gegen eine Kaution von 10.000 Dollar. Nakoula habe sich regelmäßig bei seinen Bewährungshelfern gemeldet und nicht versucht, Kalifornien zu verlassen, sagte er. Außerdem drohten Nakoula im Gefängnis Übergriffe muslimischer Mitgefangener. Der Filmemacher könnte wegen des Verstoßes gegen seine Auflagen zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt werden.

Der ästhetisch und schauspielerisch eher schlecht gemachte Film „Unschuld der Muslime“, der den Propheten Mohammed als Frauenhelden, Homosexuellen und Päderasten schildert, wurde im Sommer vergangenen Jahres in der Nähe von Los Angeles gedreht. Nakoula, ein ursprünglich aus Ägypten stammender Christ, war untergetaucht, nachdem er als mutmaßliche Schlüsselfigur hinter dem umstrittenen Film identifiziert worden war.

Gewaltsame Proteste

Im Juli hatte jemand auf der Internetplattform YouTube einen 14-minütigen Ausschnitt veröffentlicht, in dem der Prophet Mohammed lächerlich gemacht wird. Der Film hatte in Teilen der muslimischen Welt gewaltsame Proteste vor amerikanischen und anderen westlichen Vertretungen ausgelöst.

Bei zahlreichen Protesten in den vergangenen Wochen gab es mehrere Tote. Der Film wurde auch als Begründung für einen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi angeführt, bei dem der US-Botschafter Chris Stevens sowie drei weitere Amerikaner getötet wurden.

Im Sudan griffen aufgebrachte Männer die deutsche Botschaft an, verbrannten deutsche Wimpel und trampelten auf dem Botschaftsschild herum. Auch in Pakistan gab es tagelang gewalttätige Ausschreitungen. Am Freitag protestierten Muslime in Indien gegen die Verunglimpfung Mohammeds. Die Google-Videoplattform YouTube sperrte das Video in mehreren Ländern, behält es unter Hinweis auf die Redefreiheit aber grundsätzlich online. Die rechtspopulistische Gruppe Pro Deutschland will das Video auch in Deutschland öffentlich aufführen, was gewaltsame Proteste von radikal-islamischer Seite provozieren könnte. Bisher fand Pro Deutschland noch kein Kino, das den Film zeigen würde.

Der umstrittene Film wurde bereits im Sommer vergangenen Jahres von einem Mann produziert, der sich Sam Bacile nannte. Allerdings ergaben Nachforschungen, dass Bacile ein falscher Name war, ein Pseudonym Nakoulas. US-Behörden bestätigten später, dass Nakoula hinter dem Film steckte.

Die Schauspielerin Cindy Lee Garcia, die in dem Film auftritt, verklagte Nakoula. Sie will den Clip aus dem Film aus dem Netz entfernen lassen. Nakoula soll auch Teilnehmer für den Film über das Internet angeworben haben. Außerdem behauptet ein weiterer Schauspieler, er sei mit Schecks von einem Konto bezahlt worden, das mit Nakoula in Verbindung gebracht wird.

Gefälschte Namen

Gerichte hatten Nakoula in den 90er-Jahren wegen eines Drogendelikts und 2010 wegen Bankbetrugs verurteilt. Die Auflagen, gegen die er jetzt verstoßen haben soll, stammen aus dem zweiten Fall. Dazu gehört, nur mit seinem echten Namen in Erscheinung zu treten und Bankkonten nur mit Kenntnis seines Bewährungshelfers zu unterhalten. Grund für die Beschränkungen war, dass er ungedeckte Schecks unter 14 verschiedenen Namen in Umlauf gebracht haben soll.

Die Schauspielerin Garcia war vor Gericht mit einem ersten Versuch gescheitert, die Ausschnitte aus dem Netz nehmen zu lassen, weil sie ohne ihre Einwilligung veröffentlicht worden seien. In einer erweiterten Klage gegen Nakoula sowie Google und YouTube beansprucht sie zusätzlich das Urheberrecht – und könnte bei einem Erfolg als Copyright-Inhaberin die Löschung beantragen.