Extremismus

„Unsinn über den heiligen Propheten“

Pakistanischer Minister setzt Kopfgeld auf den Macher des Schmähfilms aus. Rechtspopulisten wollen Video in einer Lagerhalle in Berlin zeigen

Der Streit über das Schmähvideo „Innocence of Muslims“ (Unschuld der Muslime) wird immer heftiger: In Pakistan setzte Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Balor ein Kopfgeld in Höhe von 100.000 Dollar auf den Filmemacher aus. Er rief die Kämpfer der radikal-islamischen Taliban und des Terrornetzwerks al-Qaida dazu auf, „ihre heilige Pflicht“ zu erfüllen und den Produzenten des Videos zu finden und zu töten. Hinter dem im Internet verbreiteten 13-minütigen amateurhaften Film soll ein 55-Jähriger aus Ägypten nach Kalifornien emigrierter koptischer Christ stecken.

Politiker bleibt vorerst im Amt

Der Minister versprach demjenigen die Belohnung, „der diesen Gotteslästerer umbringt, der Unsinn über den heiligen Propheten geredet hat“. Ihm sei klar, dass es eine Straftat sei, Menschen zum Mord aufzurufen. Es gebe aber keinen anderen Weg, „Gotteslästerern“ Furcht einzuflößen. Premier Ashraf sagte, seine Regierung habe mit dem Kopfgeld nichts zu tun. Auch Balors Partei, die moderate Awami-Nationalpartei (ANP), nahm Abstand. Die ANP koaliert auf nationaler Ebene mit der Pakistanischen Volkspartei (PPP) von Premier Ashraf. Wie ein Sprecher des Premiers mitteilte, würden Regierung und ANP-Spitze über das weitere Vorgehen beraten. Disziplinarische Schritte gegen Balor seien nicht ausgeschlossen. Vorerst bleibe er aber im Amt.

In Bangladesch protestierten am Sonntag islamistische Gruppen mit einem Generalstreik gegen den Film. Schulen und Geschäfte blieben geschlossen, und der öffentliche Nahverkehr kam zum Erliegen. Tausende Sicherheitskräfte patrouillierten in der Hauptstadt Dhaka. Zuvor war es dort bei Protesten gegen das Video zu schweren Auseinandersetzungen zwischen aufgebrachten Muslimen und der Polizei gekommen. Die Demonstranten setzten mehrere Autos in Brand, darunter ein Polizeifahrzeug. Dutzende Menschen wurden festgenommen und zahlreiche weitere verletzt.

Auch im muslimisch geprägten Norden Nigerias protestierten Tausende Menschen gegen den Film. Begonnen hatte die Demonstration in der Stadt Kano zunächst in einer Moschee. Von dort lief die stetig anwachsende Menge dann zum Palast des Emirs von Kano, des geistlichen Führers der Muslime in der Region. Trotz wütender Parolen über den Schmähfilm blieben die Demonstranten friedlich.

Islamistische Milizen treten nach den Protesten Tausender Demonstranten in Libyen ihren Rückzug an. Zwei der einflussreichsten Gruppen kündigten nach Angaben eines Sprechers der Protestbewegung am Wochenende an, aus der Islamisten-Hochburg Derna im Osten des Landes abzurücken und sich aufzulösen. Die Armee setzte zugleich am Sonntag nach staatlichen Angaben allen Milizen und sonstigen bewaffneten Gruppen ein Ultimatum. Binnen 48 Stunden mussten sie in Tripolis und Umgebung sämtliche Militärkomplexe, staatliche Einrichtungen und Anwesen von Vertretern der ehemaligen Führung unter Muammar al-Gaddafi räumen. In der Nacht zum Sonnabend hatten aufgebrachte Libyer die Miliz Ansar al-Scharia aus Bengasi vertrieben.

Seit dem Sturz Gaddafis vor über einem Jahr kontrollieren zahlreiche bewaffnete Gruppen große Teile Libyens. Die meisten agieren losgelöst von staatlichen Autoritäten. Armee und Polizei sind noch zu schwach, um selbst im ganzen Land für Sicherheit zu sorgen, sodass sie bislang vielerorts den Milizen freie Hand ließen. Die Wut in der Bevölkerung auf die Milizen eskalierte nach den Übergriffen auf das US-Konsulat in Bengasi, bei denen der Botschafter sowie drei weitere US-Diplomaten getötet wurden. Äußerer Anlass dafür war das in den USA produzierte Schmähvideo.

Am Freitag protestierten Tausende Libyer unter dem Motto „Rettet Bengasi“ gegen die Islamisten. Sie riefen die Regierung auf, militante Gruppen zu entwaffnen. Der Chef der Nationalkongresses, Mohammed Magarief, kündigte daraufhin an, dass die nicht unter Kontrolle der Regierung stehenden Milizen in der ostlibyschen Stadt aufgelöst würden.

Umstrittene Vorführung

Im französischen La Rochelle nahm die Polizei einen Mann fest, der im Internet Morddrohungen gegen den Chefredakteur der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ verbreitet hatte. Gegen den Mann wird ermittelt, heißt es. „Charlie Hebdo“ hatte Karikaturen vom Propheten Mohammed veröffentlicht.

Wie der „Spiegel“ berichtet, plant die rechtspopulistische Bewegung Pro Deutschland, den Schmähfilm im November in Berlin aufzuführen. Da der Film noch nicht fertig sei, könne er „noch kein genaues Datum nennen“, zitiert der „Spiegel“ den Chef von Pro Deutschland, Manfred Rouhs. Nach Absagen zahlreicher Kinos als Veranstaltungsort arbeitet Rouhs demnach daran, den Film in einer Lagerhalle vorführen zu lassen. „Ich habe zwei mündliche Zusagen“, so Rouhs. In deutschen Städten haben am Wochenende rund dreitausend Muslime friedlich gegen das islamfeindliche Video sowie gegen Mohammed-Karikaturen demonstriert. In Athen kam es hingegen am Sonntag zu vereinzelten Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.