Extremismus

Brennender Hass auf den Westen

Aufruhr wegen Mohammed-Film: Terroristen wollen US-Diplomaten töten. Anschläge in Kabul, Demos in Indien

Al-Qaida hat wegen des islamfeindlichen Mohammed-Films zu Anschlägen auf amerikanische Diplomaten aufgerufen. Offenbar als Vergeltung für das im Internet kursierende Mohammed-Video verübten militante Islamisten am Dienstag in Afghanistan einen Selbstmordanschlag, bei dem mindestens zwölf Menschen ums Leben kamen. Unterdessen ging in Deutschland die Diskussion über ein mögliches Aufführungsverbot für den Film „Innocence Of Muslims“ („Unschuld der Muslime“) weiter.

Al-Qaida im Islamischen Maghreb begrüßte in einer Stellungnahme den Tod des US-Botschafters in Libyen, Christopher Stevens, der bei einem Angriff auf das Konsulat in Bengasi am 11. September ums Leben kam. Die Gruppe drohte mit Anschlägen in Algerien, Tunesien, Marokko und Mauretanien.

Die USA hätten „die Muslime über zehn Jahre lang belogen, als sie sagten, sie führten einen Krieg gegen den Terror und nicht gegen den Islam“, hieß es. Al-Qaida im Islamischen Maghreb forderte Muslime auf, US-Diplomaten zu töten oder auszuweisen, „um unser Land aus Rache für die Kränkung der Ehre des Propheten vom Schmutz zu reinigen“.

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen mit ausländischen Arbeitern besetzten Bus in der afghanischen Hauptstadt Kabul kamen mindestens zwölf Menschen ums Leben. Die Attentäterin steuerte ihren mit Sprengstoff beladenen Wagen in einen Minibus, der die Arbeiter zum Flughafen bringen sollte, wie die Polizei erklärte. Bei dem Attentat habe es sich um eine Vergeltungsaktion für den islamfeindlichen Film über den Propheten Mohammed gehandelt, teilte ein Sprecher der extremistischen Hesb-e-Islami mit.

Die Gruppe „nimmt alle ausländischen Truppen ins Visier, und alle Zivilisten, die nach Afghanistan gekommen sind, um ihnen zu helfen“, heißt es in einer Bekenner-Mail. Anführer der Hesb-e-Islami ist der 65-jährige Gulbuddin Hektmatyar. Er war einst afghanischer Ministerpräsident und Verbündeter der USA, jetzt betrachtet Washington ihn als Terroristen.

Im indisch kontrollierten Teil der umstrittenen Region Kaschmir kam es unterdessen bei Protesten gegen den Film zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. In der Stadt Srinagar schleuderten die Demonstranten Steine auf die Polizei, die Beamten antworteten mit dem Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken. In Pakistan durchbrachen Hunderte wütende Demonstranten eine Barrikade vor dem US-Konsulat in der Stadt Peshawar. Bei Auseinandersetzungen mit Polizisten wurden mehrere Menschen verletzt. Eine Protestkundgebung vor der US-Botschaft in der thailändischen Hauptstadt Bangkok blieb friedlich.

Unter Muslimen in Deutschland gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, ob eine geplante öffentliche Vorführung verboten werden soll. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sprach sich für ein Verbot der Aufführung des Films aus. „Ich denke, dass alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft werden sollten, um ein Verbot der Vorführung zu erreichen“, sagte Mazyek der „Tageszeitung“. Es gebe verschiedene Tatbestände, die nun zu prüfen seien, „beispielsweise auch den der Volksverhetzung“.

Schauspielerin kritisiert Produzent

Die Vorsitzende des liberal-islamischen Bundes, Lamya Kaddor, sprach sich gegen ein Verbot aus. „Je mehr man über ein Verbot redet und die Tabuisierung solcher Inhalte vorantreibt, desto mehr Schaden richtet man an“, sagte sie. Diskussionen über Verbote und Sonderregelungen für Muslime würden die bestehende Islamfeindlichkeit in Deutschland schüren. Aktionen wie die Vorführung des Films seien vom Demonstrationsrecht gedeckt.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bekräftigte seine Absicht, die Vorführung in Deutschland zu verhindern. Er halte es für „angemessen, dass wir alle rechtlichen Möglichkeiten des Versammlungsrechts, des Ordnungsrechts prüfen, wie man dagegen vorgehen kann“, sagte Friedrich dem Fernsehsender Phoenix. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, die Aufführung dieses „schlimmen Videos“ müsse geprüft werden.

Die Internetplattform YouTube, auf der Teile des Videos zu sehen sind, gerät unterdessen immer mehr in die Kritik. Nachdem sich YouTube bisher geweigert hatte, die Filmausschnitte zu entfernen, sperrten die Regierung in Pakistan und Bangladesch den Zugang. Die russische Regierung drohte mit einer Blockade von YouTube, sollte dort der Betreiber den Film nicht sperren. Der Film beleidige religiöse Gefühle, sagte Informationsminister Nikolai Nikiforow.

Eine aus der Ex-Sowjetrepublik Georgien stammende Schauspielerin, die in dem Video mitwirkt, warf den US-Produzenten schwere Täuschung vor. Niemals sei bei den Dreharbeiten von einem religiösen Hintergrund die Rede gewesen, wurde die Darstellerin Anna Gurji vom TV-Sender Rustawi-2 zitiert. Den Mitwirkenden sei gesagt worden, der Film mit dem Arbeitstitel „Desert Warrior“ (Wüstenkrieger) handele von einem Meteoritensturz auf die Erde.