Extremismus

Berliner Kinos wollen umstrittenes Video nicht zeigen

Betreiber halten Vorführung für verantwortungslos

Die Debatte über den Mohammed-Schmähfilm in deutschen Kinos könnte sich von selbst erübrigen – alle Kinos in Berlin, die die Berliner Morgenpost am Dienstag befragte, gaben an, den Film nicht zeigen zu wollen. „Wir wissen, dass die Diskussion noch auf uns zukommt“, sagt Judith Weltzer, Filmvorführerin und Büroassistentin vom Kino Central am Hackeschen Markt Berlin. In den kommenden Tagen werden sich die Verantwortlichen darüber beraten, wie man mit einer eventuellen Anfrage umgeht.

Rechtspopulisten der Gruppierung Pro Deutschland hatten angekündigt, das umstrittene Anti-Mohammed-Video in einem Kino der Hauptstadt zeigen zu wollen. Das löste einen heftigen Streit darüber aus, ob die Vorführung verboten werden soll oder ob der Film durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist. Weltzer ist sich jedoch sicher, dass sich ihr Kino klar gegen eine Vorführung positionieren wird.

Ähnlich sieht es auch Robert Schünemann, Marketingleiter des Cineplex Alhambra in Mitte: „Nach dem Aufruhr sollte die Richtung klar sein – zumindest für jeden mit gesundem Menschenverstand.“ Weil der Film so heftig in der Diskussion steht, sei es nicht zu verantworten, ihn ins Programm zu nehmen. Auch wenn momentan noch nicht abzuschätzen sei, wie provokant der Film tatsächlich ist. „Momentan wäre nicht mal die FSK-Altersgrenze geklärt“, so Robert Schünemann. Fest steht für ihn: Ein populäres Kino, das vorrangig internationale Filme zeige, sei der falsche Ort für politische Signale. Zwar könnten Gruppierungen wie Pro Deutschland einen Kinosaal mieten, doch auch bei einer geschlossenen Veranstaltung würde das Kino den Film definitiv nicht zeigen.

Auch die Astor Filmlounge am Kurfürstendamm achtet sehr genau darauf, was bei ihnen gezeigt werde. „Auf eine Mail von Befürwortern des Films würden wir vermutlich nicht mal reagieren“, sagt Jürgen Friedrich. Der Theaterleiter der Astor Filmlounge glaubt, dass ein solches Video nicht zeigbar sei.

Pro Deutschland verschickt Link

Derweil arbeitet Pro Deutschland an einer zweiten Strategie. Auf ihrer Homepage versprechen die Rechtspopulisten, den Link zur Vollversion des Films im November an jeden Interessierten zu übermitteln. Die Kommentare unter dem Beitrag lassen klar antisemitische Tendenzen erkennen. „Weitermachen…“, ermuntert ein Kommentarschreiber die rechte Bürgerbewegung. „Ich begrüße es ausdrücklich, dass ,Pro Deutschland‘ den Film in voller Länge im Internet zeigen wird. Ich hoffe allerdings, dass auch an einer Ausstrahlung im Kino festgehalten wird. Allerdings wird es sicher schwierig, ein Kino zu finden“, gibt ein anderer zu bedenken.

Durch die Berichterstattung sind Kino-Mitarbeiter sensibilisiert. Das Brotfabrik-Kino in Pankow erreichte mittlerweile die erste Anfrage, den Film zu zeigen. „Es gab einen Anruf“, bestätigte Birgit Zibell, die im Sekretariat des Programmkinos arbeitet. Toll fände sie es nicht, wenn der Film gezeigt würde – entscheiden müsse das aber der Programmdirektor. Das Yorck-Kino Kreuzberg-Friedrichshain wollte sich offiziell nicht äußern. Ein Mitarbeiter sagte jedoch, dass eine Vorführung des Mohammed-Films infrage käme; das entspräche nicht ansatzweise dem Programm.