CSU

Wie Seehofer mit Ilse Aigner sein Frauenproblem lösen will

Der CSU-Chef hat große Erwartungen an den Wechsel seiner Ministerin nach Bayern

Horst Seehofer muss seinen Stuhl frei machen. Bei der Pressekonferenz, auf der Ilse Aigners Wechsel in die bayerische Landespolitik bestätigt wird, rückt sie gleich ins Zentrum – allerdings nur, um besser in alle Mikrofone sprechen zu können.

„Das hat nichts zu bedeuten“, wirft Seehofer ein, der die Symbolik des Platzwechsels sofort erkennt. Er ist an diesem Tag sehr bemüht, alle Spekulationen, die sich um den überraschenden Entschluss „seiner“ Bundesministerin ranken, im Keim zu ersticken. Seiner Partei rät er ausdrücklich, „mit Ruhe und Gelassenheit“ darauf zu reagieren. „Je mehr potenzielle Ministerpräsidenten und Parteivorsitzende die CSU hat, umso besser ist es um die Partei bestellt.“ Es gehe ihm nicht darum, nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ Parteifreunde gegeneinander auszuspielen. Die CSU brauche ein Personenangebot, das Respekt und Zuversicht auslöse.

Kein guter Tag für Kronprinzen

Besonders für den bisher gehandelten Kronprinzen, Bayerns Finanzminister Markus Söder, und die Kronprinzessin, Sozialministerin Christine Haderthauer, dürfte es aber kein guter Tag sein. Mit Aigner, die im kommenden Herbst bei der Landtagswahl in Bayern kandidieren wird, kommt eine starke und in der Partei sehr beliebte Mitbewerberin nach Bayern. Aigner ist Vorsitzende des mitgliederstärksten Bezirksverbandes Oberbayern – und damit im Denken der CSU automatisch potenzielle Kandidatin für das Amt des Ministerpräsidenten. Bis dahin hat sie aber unter Umständen noch einen weiten Weg vor sich.

Horst Seehofer will sich in den kommenden Tagen vor der Landtagsfraktion als Spitzenkandidat für die Landtagswahl, die nach dem Willen der CSU am 15. September 2013 stattfinden soll, erklären. Außerdem betont er, dass er im Falle der Wiederwahl die gesamte Legislaturperiode, also bis 2018, das Amt ausüben werde. „Darauf können Sie sich verlassen.“ Halbe Sachen will der CSU-Chef offenbar nicht machen. Wie Seehofer bemüht sich auch Aigner, alle Spekulationen um ihre weitere Zukunft in Bayern klein zu reden. Zuerst müsse der Wähler entscheiden. Irgendwelche Versprechungen auf einen Ministerposten habe es für den Wechsel nicht gegeben. Es sei aber sowohl mit der Kanzlerin („Ich hoffe, ihr fällt es auch nicht leicht“) wie auch mit der CSU-Führung abgesprochen worden. Der Fall ist klar: Ilse Aigner soll für Seehofer das Frauenproblem der CSU lösen. Dieser hatte 2012 parteiintern zum Jahr der Frau ausgerufen. Im Jahr zuvor hatte er gegen große Widerstände eine 40-Prozent-Frauenquote in der Partei durchgesetzt. Bei der Aufstellung der Kandidaten für die Landtagswahl 2013 zeichnet sich aber ab, dass weniger Frauen als zuvor auf wählbaren Plätzen landen. Mit Aigners Wechsel sieht Seehofer die CSU zumindest wieder auf dem richtigen Weg. „Kein Reißverschlussverfahren, keine Quotenfrauen, bei uns kommen Frauen kraft der Kompetenz und der Beliebtheit zum Zug.“ Der Entschluss Aigners habe große Begeisterung ausgelöst.

Aigner wird vermutlich auf Platz zwei der Oberbayern-Liste, nach Seehofer, antreten. Aigner, die sich in Oberbayern still und ausdauernd eine Machtbasis gesichert hat, soll so gleichzeitig auch „das Trauma von 2008“ (Seehofer) heilen. Damals, als die CSU ihre absolute Mehrheit im Freistaat verloren hatte, waren die Verluste im Kernland Oberbayern besonders hoch, minus 22 Prozent.

Die soll Aigner nun zurückholen. Als junge, bodenständige Frau, die weder Dialekt noch Dirndl scheut und bei den Leuten ankommt, könnte sie der CSU ein jüngeres Image geben. Seehofer betont, dass ihm „die personelle Aufstellung immer etwas wichtiger als das Programm“ gewesen sei.