Stellenanzeige

Gesucht wird ein Profi zum Hacken der Bürger

Eine Annonce des BKA sorgt für Empörung

– Sie sind ein Computer- Nerd mit besonderem Faible für das Knacken von Betriebssystemen? Sie haben es satt, von wenig Geld zu leben und sich mit Ihrer Leidenschaft immer am Rand der Illegalität (oder darüber hinaus) zu bewegen? Dann wenden Sie sich vertrauensvoll an das Bundeskriminalamt. Denn die Bundesbehörde fahndet dringend nach Hackern. Doch diesmal winkt statt strafrechtlicher Verfolgung eine ebenso stattliche wie staatliche Bezahlung. Per Stellenanzeige sucht die Behörde einen IT-Spezialisten mit „Interesse an kriminalistischer Arbeit“. Dieser soll sich um die „Konzeption und Entwicklung technischer Überwachungsmethoden“ kümmern. Konkreter wird es im Kleingedruckten: Dort steht, der künftige Mitarbeiter solle dabei helfen, die „technisch- kriminalistischen Voraussetzungen zum verdeckten polizeilichen Zugriff auf entfernte Rechnersysteme“ zu schaffen. Dafür muss er sich hervorragend in den „Sicherheitsmechanismen von Windows“ auskennen. Entlohnt wird außertariflich, angelehnt an die Besoldungsgruppe A 16.

In den einschlägigen Internetforen wird heftig über den Anwerbeversuch diskutiert. Einig ist man sich, dass in erster Linie ein Trojaner-Entwickler gesucht wird. Erst im Oktober hatte es um den Einsatz staatlicher Spionagesoftware („Bundestrojaner“) erneut eine Kontroverse gegeben, nachdem der Chaos Computer Club nach eigenen Angaben eine solche Software gehackt hatte und dabei auf Sicherheitslücken gestoßen war. Diese ermögliche einen viel weitreichenderen Eingriff in die Privatsphäre der Bürger als zulässig. Entsprechend harsch fallen die Reaktionen der IT-Community auf die Annonce aus. Wer noch „einen Funken Berufsehre“ als Softwarespezialist habe, verdinge sich nicht bei dieser „Drecksarbeit“, wettert ein Kommentator. Andere fordern dazu auf, sich zu bewerben, um das BKA zu unterwandern. Offen lässt das Amt in seiner Anzeige, warum vor allem Windows-Benutzer krimineller Aktivitäten verdächtig sind. Besondere Kenntnisse des Apple-Betriebssystems oder von Linux muss der künftige Mitarbeiter jedenfalls nicht vorweisen.