Klausur

Westerwelle halbiert Wahlziel für FDP auf neun Prozent

Es geht Deutschland gut. Und der FDP bald auch wieder - jedenfalls, wenn die Partei seiner Führung folgt.

- Das war die Kernbotschaft von Rainer Brüderle nach der Klausur der Bundestagsfraktion. Drei Tage lang hatten sich die 93 Abgeordneten mit ihren fünf Bundesministern in Mainz zurückgezogen, um an der "intellektuellen Auffrischung" der kriselnden Partei zu arbeiten.

Das Ergebnis fasste Brüderle wie folgt zusammen: Die FDP soll nach dem Willen ihres Fraktionschefs wieder ein "Bollwerk gegen neosozialistische Tendenzen" werden.

Guido Westerwelle, vor Philipp Rösler Parteichef, plädierte wie Brüderle für einen ordnungspolitisch klar konturierten Wahlkampf an der Seite der Union. Beherzige man das, beschwor er die Abgeordneten, sei vieles möglich. In Zahlen: "Neun Prozent plus X."

Mit einem Zwölf-Punkte-Programm im Gepäck verließen die Abgeordneten Mainz. Im Alltagsgeschäft müssen sie die Thesen ihrer "Garantie-Erklärung für die Freiheit" mit Leben füllen.

Und da könnte der Mut schnell verloren gehen: Auf die Stabilitätskultur hat die FDP weitaus weniger Einfluss als die gelddruckfreudige EZB. Die versprochenen Sparbemühungen werden gerade durch einen zweiten Nachtragshaushalt konterkariert. Und die Unionskollegen Altmaier, von der Leyen und Co. mögen Schwarz-Gelb nicht zu inniglich. Aber die Liberalen haben ja Brüderles Weisheiten. Seine Mainzer, sagte der Fraktionschef, hätten in 2000 Jahren Römer, Kelten, Spanier, Franzosen überlebt "und sind immer noch da". Was ist da schon eine Krise der FDP?