Bundeswehrreform

Soldaten raten von ihrem Arbeitgeber ab

Die Truppe ist von der Bundeswehrreform frustriert, zeigt eine Studie

Die Bundeswehrreform und die damit verbundenen Standortschließungen stoßen in der Truppe auf breite Ablehnung. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Bundeswehrverbandes unter Führungskräften der Armee. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, beklagte massive Defizite bei der Vermittlung der Reform.

Fast zwei Drittel der Soldaten gaben demnach an, ihren Kindern oder Freuden von einem Job bei der Bundeswehr abzuraten. Etwa 60 Prozent der befragten Führungskräfte hätten darüber nachgedacht, die Bundeswehr vorzeitig zu verlassen. Für die Studie wurden 4000 Fragebögen verschickt, rund die Hälfte kam ausgefüllt zurück.

Die Bundeswehrreform wurde im Frühjahr 2010 vom damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf den Weg gebracht. Ab März 2011 setzte sie sein Nachfolger Thomas de Maizière (CDU) fort. Die Reform sieht eine Reduzierung der Truppenstärke auf rund 185.000 Mann vor.

"Die Enttäuschung ist riesig", sagte Verbandschef Ulrich Kirsch. "Jetzt muss dringend mit den Soldaten gesprochen werden, um zu ergründen, warum sie zu einem so harten Urteil kommen." Bislang geschehe dies nicht ausreichend. "Ohne überzeugte und überzeugende Vorgesetzte kann die Reform nicht gelingen."

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, hält die Kritik der Soldaten für unausweichlich: "Das Führungspersonal lässt sich nicht für dumm verkaufen", sagte er der Berliner Morgenpost. "Niemand glaubt doch, dass man mit weniger Personal und weniger Ausstattung die Leistung steigern kann."

Der Wehrbeauftragte sieht seinen Jahresbericht vom Januar durch die Umfrage bestätigt. Darin hatte Königshaus von einer massiven Unzufriedenheit in der Truppe berichtet. "Die Soldatinnen und Soldaten empfinden die interne Kommunikation als völlig unzureichend", erklärte er nun. "Sie sind unzufrieden, weil sie sich nicht mitgenommen fühlen - das trifft sowohl auf die Planung der Reform als auch auf die jetzt laufende Umsetzung zu."

Das Verteidigungsministerium sieht die Neuausrichtung der Streitkräfte trotz der Verunsicherung auf gutem Weg. "Insgesamt wird deutlich, dass die generelle Richtung stimmt", sagte ein Sprecher. Es müsse "aber nachdenklich stimmen, dass nur die Hälfte der Befragten die Umsetzung der Neuausrichtung als positiv bewertet und sogar größeren Handlungsbedarf als zuvor sieht".