Bayern

Hohe Politik im Bierzelt

Kanzlerin Angela Merkel wird auf dem Volksfest Gillamoos gefeiert. CSU-Chef Seehofer verspricht sie im Wahlkampf ihre Unterstützung

- Am Ende gab es dann doch noch einen dicken Applaus für die Kanzlerin: für ihre Ankündigung, im nächsten Jahr die Schwesterpartei CSU im Landtagswahlkampf zu unterstützen - "damit wir einen tollen Erfolg hier in Bayern feiern und damit Horst Seehofer Ministerpräsident bleiben kann". Ein Jahr vor dem Superwahljahr mit Bundes- und Landtagswahlen lieferten sich am Montag auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg Spitzenvertreter der Parteien einen Schlagabtausch.

Bei mildem Spätsommerwetter tummelten sich mehrere Tausend Menschen auf dem Festareal. Das größte Interesse fand die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die gut 3000 Zuhörer anlockte. In den benachbarten Bierzelten sprachen zeitgleich für die SPD deren designierter Spitzenkandidat Christian Ude und für die Grünen Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin. Die FDP bot Schleswig-Holsteins Fraktionschef Wolfgang Kubicki als Redner auf und bei den Freien Wählern (FW) sprach Landeschef Hubert Aiwanger.

Merkel nutzte ihre Volksfest-Rede für ein Europa-Plädoyer. Die Kanzlerin sagte ernst: "Die Älteren hier im Raum, die erinnern sich noch daran, wie das war im Krieg." Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass Deutschland davon nun so lange verschont worden sei. Merkel fügte hinzu: "Das wäre ohne Europa nicht möglich gewesen." Auch jetzt müssten die Europäer "zusammenhalten, weil wir alleine gar nichts ausrichten werden".

Niederbayerns CSU-Chef Manfred Weber hatte bereits vor der Rede der Kanzlerin von einem Signal gesprochen, dass diese Linie auch in Bayern "bierzelttauglich" sei. Und tatsächlich sangen danach viele Besucher im "Hofbräu"-Zelt das Lied "Angie" von den Rolling Stones für die Kanzlerin mit.

Auch FDP-Zugpferd Wolfgang Kubicki genoss den Volksfesttermin sichtlich: Gut gelaunt berichtete der Fraktionschef im Kieler Landtag, dass er am Vorabend zum ersten Mal in seinem Leben drei Maß bayerisches "Leichtbier" getrunken habe und am Morgen schon um sechs Uhr von Kirchenglocken aus den Federn gerissen worden sei.

Für den politischen Gegner hatte Kubicki bei seiner Gillamoos-Premiere weniger nette Worte übrig: Den Grünen warf er vor, die Menschen mit Vorschriften bevormunden zu wollen. An den Sozialdemokraten kritisierte er einen ständigen Ruf nach neuen Steuern. Über die Piraten sagte er: "Wie kann man auf die Idee kommen, eine Partei so zu nennen? Ich meine, wenn das so weitergeht, kommt die nächste neue Gruppierung mit dem Namen ,Die Terroristen'."

Der mögliche Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin kam mit zwei Grundbotschaften nach Abensberg: "Die schlechteste Bundesregierung seit Jahrzehnten" müsse 2013 abgelöst werden. Und auch in Bayern werde es Zeit, das Ende der CSU-Regierung einzuläuten. Sonst werde Ministerpräsident Seehofer eines Tages durch Bayern laufen wie der ewig regierende kubanische Machthaber Fidel Castro: im Trainingsanzug. "Wer will das schon sehen?" fragte Trittin zum Vergnügen seiner rund 200 Zuhörer.