Nahrung

Syrische Truppen zerstören gezielt Bäckereien

Die Ernährung der Rebellen soll verhindert werden

- Der neue internationale Syrien-Vermittler Lakhdar Brahimi hat die in ihn gesetzten Hoffnungen auf eine Lösung des blutigen Konflikts in dem arabischen Land gedämpft. "Die Konfliktparteien haben sehr starke Ansichten", sagte der algerische Diplomat dem Nachrichtensender al-Dschasira. Er werde mit allen Seiten reden, letztlich liege es jedoch an den Konfliktparteien selbst, Syrien aus der Krise zu führen. Die Entsendung arabischer Truppen werde derzeit nicht erwogen. Ein militärisches Eingreifen in Syrien würde das Scheitern der diplomatischen Bemühungen bedeuten. Brahimi übernahm sein Mandat vom ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan. Dieser war mit dem Plan eines Waffenstillstands und eines späteren Dialogs zwischen den verfeindeten Seiten gescheitert.

Im Land geht indes das Sterben weiter. Bei einem Bombenanschlag in einem Vorort von Damaskus kamen nach Angaben der Staatsmedien in der Nacht zum Sonntag mindestens 15 Menschen um. Im Norden und Osten Syriens verstärkten die Rebellen am Wochenende ihre Bemühungen, Luftwaffenstützpunkte des Regimes unter ihre Kontrolle zu bringen. Regimetruppen griffen am Sonntag mit Kampfhubschraubern die Aufständischen auf dem Militärflughafen Abu Zhuhur an, den diese vor wenigen Tagen erobert hatten, wie Aktivisten berichten.

Verschiedene Viertel in der nördlichen Wirtschaftsmetropole Aleppo lagen laut Aktivisten unter Feuer. Von Mitternacht bis fünf Uhr morgens sei das Stadtviertel Hanano ununterbrochen beschossen worden, sagte ein Aktivist namens Osama per Skype. Auch Schulen seien bombardiert worden. In der östlichen Provinz Deir Essor gingen die Kämpfe ebenfalls weiter. In der Stadt Bukamal kämpften Aufständische und Regierungssoldaten demnach in der Nähe eines Gebäudes, das den Sitz des Militärgeheimdiensts beherbergt.

Nach Angaben von Aufständischen zerstörte die Armee in der zentralen Rebellenhochburg Kusseir die letzte Bäckerei, die noch Brot verkaufte. Die Truppen von Präsident Assad hätten die Stadt in der Provinz Homs am Sonntagmorgen unter heftigen Beschuss genommen. Kusseir wird seit etwa drei Monaten von den Rebellen kontrolliert. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte den Regierungstruppen bereits vor einigen Tagen vorgeworfen, gezielt Bäckereien anzugreifen, um den Rebellen die Ernährungsgrundlage zu nehmen.

In Deutschland stellt die wachsende Zahl neu ankommender Flüchtlinge einige Bundesländer vor Probleme: Ihre Aufnahmekapazitäten sind ausgeschöpft. Das gilt beispielsweise für Nordrhein-Westfalen und für Baden-Württemberg. Andere wie Niedersachsen haben die Belastungsgrenze ihrer Aufnahmestellen fast erreicht. Bundesweit ist die Zahl der Erstanträge auf Asyl gestiegen. Im Vergleich zum Juni nahm die Zahl im Juli um 15,3 Prozent auf 4498 zu. Dabei waren Syrer am stärksten vertreten: 608 Erstanträge wurden registriert, dreimal mehr als noch vor einem Jahr. Nach Recherchen der "Bild am Sonntag" kamen seit Beginn der Unruhen 4659 Syrer nach Deutschland. Nur rund 100 von ihnen seien bisher als politische Flüchtlinge anerkannt worden. Dennoch drohe den Antragstellern wegen des blutigen Konflikts in ihrer Heimat keine Abschiebung.