Krise

Syrisches Regime setzt zunehmend Luftwaffe gegen Rebellen ein

UN-Angaben zufolge wurden binnen einer Woche 1600 Menschen getötet. Jordanien bittet wegen Flüchtlingen um Hilfe

- Syrische Rebellen haben nach Oppositionsangaben Einrichtungen der Luftwaffe angegriffen. In Deir al-Sor im Osten des Landes wurde demnach ein Gebäude der Luftstreitkräfte erobert. Mehrere Soldaten seien gefangen genommen worden, teilte die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte mit. Präsident Baschar al-Assad setzt zunehmend die Luftwaffe im Kampf gegen die Aufständischen ein. UN-Angaben zufolge wurden binnen einer Woche 1600 Menschen getötet, so viele wie noch nie in dem Konflikt in einem solchen Zeitraum.

Rebellenkämpfer hätten bei der Eroberung des Gebäudes in Deir al-Sor mindestens 16 Gefangene gemacht und mehrere Luftabwehrraketen erbeutet, sagte Rami Abdulrahman von der in Großbritannien arbeitenden Beobachtungsstelle. Ein Angriff auf einen Luftwaffenstützpunkt in Albu Kamal an der Grenze zum Irak sei jedoch von Assad-Kräften zurückgeschlagen worden.

Russland hält Westen für naiv

Assad-treue Kräfte setzen in den von Rebellen gehaltenen Gebieten zunehmend auf die Luftwaffe. Stellungen der Aufständischen werden mithilfe von Kampfflugzeugen und Hubschraubern beschossen. Der Angriff auf die nordsyrischen Städte Asas und Anadan trieb viele Zivilisten dazu, sich in der Türkei in Sicherheit zu bringen. Dort leben bereits Zehntausende Flüchtlinge.

Der Aufstand gegen Assad hält seit fast eineinhalb Jahren an. Die Vereinten Nationen gehen von knapp 20.000 Toten aus, Oppositionsgruppen geben höhere Zahlen an. Bis zu 300.000 Syrer sind aus ihrem Land geflohen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow nannte es indes "naiv", wenn der Westen und die arabische Welt erwarteten, dass Assad den Kampf um wichtige Städte als Erster aufgeben werde. Wer Assad aufrufe, seine Truppen zurückzuziehen und die Waffen niederzulegen, dies von den Aufständischen aber nicht verlange, verfolge "ein unausführbares Modell". "Entweder sind diese Leute naiv, oder das ist eine Art Provokation", sagte Lawrow in Moskau.

Derweil trat der algerische Karrierediplomat Lakhdar Brahimi am Sonnabend die Nachfolge Kofi Annans als Syrien-Vermittler der UN und der Arabischen Liga an. Annan war mit seinem Plan eines Waffenstillstands und eines daraufhin einsetzenden Dialogs zwischen den verfeindeten Seiten in Syrien gescheitert.

Jordanien und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR forderten angesichts der steigenden Zahl der syrischen Flüchtlinge finanzielle Unterstützung in Höhe von 700 Millionen Dollar (560 Millionen Euro). Bisher seien angesichts der Kämpfe in ihrem Land 177.000 Syrer nach Jordanien gekommen, erklärte in Amman der Minister für internationale Zusammenarbeit, Dschaafar Hassan. Sein Land rechne mit insgesamt 240.000 Flüchtlingen aus dem Nachbarland. Ohne Hilfe könne Jordanien diese Aufgabe nicht mehr bewältigen, sagte Hassan.