Dänemark

"Mein Mann ist nicht schwul"

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Clemens Bomsdorf

Dänische Premierministerin wehrt sich gegen angebliche Enthüllungen

- So etwas hat es in Dänemark noch nicht gegeben: "Thorning weist Homo-Gerüchte um ihren Mann von sich", titelte die linksliberale Tageszeitung "Politiken". Die sozialdemokratische Regierungschefin sah sich zu diesem aufsehenerregenden Dementi gezwungen, weil eine entsprechende Behauptung dieser Tage publik gemacht werden würde. Ausgerechnet bei Finanzamt-Unterlagen, die beweisen sollten, dass ihr damals in der Schweiz arbeitender Mann auch dort und nicht in Dänemark steuerpflichtig sei, fand sich eine kurze Notiz mit dieser für den Fall letztlich irrelevanten Bemerkung.

Dass Thorning-Schmidt jetzt an die Öffentlichkeit geht hat einen einfachen Grund. Sie handelt nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Am heutigen Dienstag nimmt eine Kommission die Arbeit auf, die untersuchen soll, wie diese vertraulichen Dokumente über Thorning-Schmidt und ihren Mann ihren Weg zur Boulevardzeitung "B.T." gefunden haben. Im Verdacht stehen auch Spitzenpolitiker der ehemaligen Regierungskoalition - besonders der damalige Steuerminister und sein enger Mitarbeiter -, die den Sozialdemokraten womöglich im Wahlkampf schaden wollten. Sollte das der Fall sein, dann steht Dänemark davor, einen der größten Skandale von Machtmissbrauch aufzuarbeiten.

In einer Notiz, die von einer Mitarbeiterin des Finanzamts geschrieben wurde, stand, ihr Mann sei laut Angaben ihres Steuerberaters homo/bi-sexuell. Gefragt, ob diese Behauptung stimme, wurde Thorning-Schmidt im Interview mit Politiken eindeutig: "Zunächst einmal finde ich nicht, dass das eine Frage ist, die man beantworten sollte. Aber: Nein, er ist es nicht", so die Regierungschefin, die dann noch erklärte, dass ihr Familienleben sicherlich ein wenig ungewöhnlich sei, weil ihr Mann mittlerweile in London lebe. "Aber wir sind seit 20 Jahren ein Paar. Wir haben schon Kupferhochzeit gefeiert. Wir leben ein Familienleben, dass, wie wir meinen, gut für uns und unsere zwei Kinder funktioniert, und das sollte eigentlich genug für die Öffentlichkeit sein", so die Top-Politikerin.

Thorning-Schmidt ist seit 1996 mit Stephen Kinnock, Sohn des legendären Vorsitzenden der britischen Labour-Partei Neil Kinnock, verheiratet. Kennengelernt hatten sich die beiden während ihres Studiums am Europa-Kolleg in Brügge. Kinnock hat seither eine internationale Karriere gemacht. Er war Direktor des World Economic Forum in Genf und arbeitet derzeit bei der Ökologieberatungsfirma Xyntéo in London.