Krieg

Libanon gerät in den syrischen Konflikt

Kämpfe zwischen Gegnern und Unterstützern von Assad in Tripoli

- Die syrischen Rebellen sind offenbar um Entspannung im Verhältnis zum Libanon bemüht. Oppositionelle Kämpfer ließen am Sonnabend einen von elf schiitischen Pilgern aus dem Libanon frei, die seit drei Monaten festgehalten werden. Der 60-jährige Hussein Ali Omar schien in einem vom katarischen Fernsehsender Al Dschasira ausgestrahlten Interview bei guter Gesundheit zu sein. Omar forderte Libanesen und Araber auf, das syrische Volk zu unterstützen.

Omar gehörte zu einer Gruppe von elf schiitischen Pilgern, die am 22. Mai gekidnappt wurden. Was mit den anderen zehn Pilgern geschieht, war zunächst unklar. Zu der Entführung bekannte sich eine bislang nicht in Erscheinung getretene Gruppe namens Syrische Rebellen in Aleppo. Sie forderte den Führer der radikalislamischen Hisbollah-Miliz und Verbündeten des Regimes von Präsident Baschar Assad, Scheich Hassan Nasrallah, auf, sich für jüngste Bemerkungen zu entschuldigen, in denen er Partei für Assad ergriffen hatte. Nasrallah erklärte, die Entführungen änderten nichts an der Unterstützung der Hisbollah für Assad.

Der seit 18 Monaten andauernde Konflikt in Syrien droht inzwischen mehr und mehr auf den Libanon überzugreifen. In der Stadt Tripoli im Norden des Libanons kam es in dieser Woche zu Kämpfen zwischen pro- und antisyrischen Gruppen, bei denen 17 Menschen getötet und mehr als hundert verletzt wurden. Als Reaktion auf die Entführung in Syrien nahmen auch Verwandte eines Entführten ihrerseits Geiseln: vier Türken und mehr als 20 Syrer. Sie wurden inzwischen bis auf vier alle freigelassen.

In Syrien wurde am Sonnabend nach Angaben von Rebellen und Regierung in mehreren Orten gekämpft, darunter in der Provinz Aleppo, im Bezirk Idlib und in der östlichen Region Deir il Sour und in Daraa im Süden. Die staatliche Nachrichtenagentur SANA meldete, in Aleppo seien bei Gefechten "viele Terroristen" getötet oder verwundet worden. Das in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte meldete, allein in Daraa seien in den vergangenen vier Tagen 109 Menschen getötet worden. Seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 wurden Schätzungen zufolge mehr als 20.000 Menschen getötet.

Der Leiter der Beobachtermission in Syrien hat das Land unterdessen verlassen und ist in den benachbarten Libanon ausgereist. Generalleutnant Babacar Gaye äußerte sich nicht, als er Damaskus verließ. Die Beobachtermission endete offiziell am vergangenen Sonntag, Gaye blieb noch für Gespräche in Syrien.