Außenpolitik

Abzug der deutschen Polizisten beginnt

In Afghanistan soll nach 2014 nur ein Teil der 200 Ausbilder bleiben

- Ahmad Fasul bewegt in einem riesigen Sandkasten ein kleines blau-graues Spielzeugauto. Der 25-Jährige erklärt die Regeln für eine Verkehrskontrolle. 20 Männer in Uniformen hören ihm zu. Alle wollen zur afghanischen Polizei, im deutschen Trainingszentrum in Kundus absolvieren sie ihren achtwöchigen Grundkurs, Sandkastenspiele inklusive. Ausbilder Fasul ist bei deutschen Polizisten in die Lehre gegangen. Auf jungen Männern wie ihm ruhen die Hoffnungen. Denn die Deutschen ziehen sich bis 2014 zurück, die Bundeswehr und auch die Polizei.

Rund 200 Beamte aus Bund und Ländern arbeiten zurzeit für das Deutsche Polizei Projekt Team (GPPT). Zudem beteiligt sich die Bundesrepublik an der Europäischen Polizeimission (Eupol), momentan mit 25 Mann. Kein anderer EU-Staat engagiert sich so tatkräftig mit Experten: Deutschland ist nach den USA der zweitgrößte Akteur beim Aufbau der afghanischen Nationalpolizei, die künftig "rechtsstaatlichen Prinzipien" verpflichtet sein soll.

Noch lässt sich der deutsche Staat das Engagement viel kosten. Seit Beginn der Mission im Jahr 2002 hat die Bundesrepublik rund 380 Millionen Euro aufgebracht, davon 77 Millionen Euro in diesem Jahr. Inbegriffen ist auch der Aufbau eines Diensthundewesens für umgerechnet 186.000 Euro. Um bei Luftverkehrskontrollen Drogen und Sprengstoff aufzuspüren, haben die Deutschen dafür 30 belgischen Schäferhunde samt Hundeführern ausgebildet. Sie sollen auf den Flughäfen in Kundus und Masar-i-Scharif eingesetzt werden.

In Berlin stimmt sich Rainer Kann, im Innenministerium zuständig für die internationalen Auslandsmissionen, eng ab mit dem Verteidigungsministerium. Es geht um einen dreistufigen Abzugsplan für die Polizei. "Start ist bereits Mitte September", erklärt Kann. Dann wird der erste Standort in Afghanistan, das deutsche Polizeitrainingszentrum in der Stadt Faisabad, in einheimische Hände gegeben. Nächstes Jahr wird die GPPT-Zweigstelle in Kundus folgen, spätestens Ende 2014 auch der Hauptstandort in Masar-i-Scharif.

Es wird fast ein Totalabzug. Am Ende bleiben voraussichtlich nur noch etwa zwei Dutzend Ausbilder im Land. Aber selbst eine solche Zahl wird stark von der "militärischen Präsenz" abhängen. Denn die Polizisten in Afghanistan sind auf die Logistik der Bundeswehr angewiesen: Sie besuchen deren Ärzte, schlafen in den Feldlagern, essen in den Kantinen und nutzen die Feldpost. Genauere Angaben will Kann nicht machen. Bernhard Witthaut, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), weiß schon mehr: "Nach unseren Informationen sind in Afghanistan am Ende nur noch 20 bis 30 deutsche Polizisten vorgesehen."

Ahmad Fasul bekommt rund 250 Dollar im Monat. Das ist so viel, wie die meisten Landsleute in einem halben Jahr verdienen. Damit gehört er zu den Privilegierten. So glaubt er denn auch fest daran, "dass es unsere Sicherheitskräfte allein schaffen werden". Fasul wird bald seine eigene Klasse betreuen, ohne dass ihm ein Ausbilder über die Schulter schaut. Dann sind die Sandkastenspiele mit den Deutschen vorbei.