Rassismus

Die Entgleisungen des FPÖ-Chefs Christian Strache

Ärger um rassistische Facebook-Einträge

- Heinz-Christian Strache ist ein eifriger Nutzer sozialer Netzwerke. Vor allem Facebook hat es ihm angetan. Auf der Seite des österreichischen Rechtspopulisten erfahren seine Anhänger, was er mag: den Schilling, die österreichische Fahne und Kalendersprüche wie "Einer der wundervollsten Momente ist, wenn ein Lächeln nicht nur dein Gesicht, sondern auch deine Seele berührt". Man erfährt natürlich auch, was er nicht mag. Zuletzt waren das vor allem die EU und der Euro.

Der Chef der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) stellt aber auch gerne Bilder online. Nicht alle sind so unpolitisch wie jenes, das ihn im Arm einer attraktiven jungen Blondine zeigt. Gleich zwei von ihnen haben ihm am Wochenende den Vorwurf des Antisemitismus eingetragen. Bei dem ersten handelt es sich um eine Karikatur. Sie zeigt einen dicken Mann ("die Banken"), der von einem unterwürfigen Mann ("die Regierung") mit Essen und Wein versorgt wird, während ein sehr dünner Mann ("das Volk") sich mit einem abgenagten Knochen begnügen muss. "So sieht die Umverteilung von Rot-Schwarz mit ihren grünen Helferleins in Wahrheit aus!" wettert Strache gegen die Wiener Regierungskoalition aus (roten) Sozialdemokraten und (schwarzen) Konservativen. "Sie verteilen unser hart erarbeitetes und erwirtschaftetes Steuergeld in Richtung der EU-Spekulanten mittels ESM-Diktat und Österreich-Verrat!"

Banker mit Hakennase

Die Karikatur ist nicht neu, das haben Recherchen des Magazins "News" ergeben. Sie werde schon seit Jahrzehnten in den verschiedensten Ländern zur Illustration kapitalismuskritischer oder verschwörungstheoretischer Texte verwendet, heißt es in dem Bericht. Die von Strache online gestellte deutsche Version weiche jedoch in zwei Details vom Original ab: Der Banker hat keine Knoll- sondern eine Hakennase - und auf seinen Manschettenknöpfen sind Davidsterne zu sehen. "News" zufolge sei die derart veränderte Karikatur erstmals in einem rechtsextremen Internetforum aufgetaucht.

Den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Oskar Deutsch, erinnerte das Bild an die Judenkarikaturen im nationalsozialistischen Hetzblatt "Der Stürmer". Dass es auf der Facebook-Seite des FPÖ-Chefs aufgetaucht ist, hält er keineswegs für einen Zufall, sondern für ein Indiz dafür, dass antisemitische, rassistische und rechtsradikale Kräfte in Europa und in Österreich sich mangels konsequenter Verfolgung in ihrem Treiben ermutigt sähen. "In jedem anderen europäischen Land würde ein derartig plumpes Spiel mit antisemitischen Klischees zum sofortigen Rücktritt führen", sagte der grüne Abgeordnete Karl Öllinger.

Am Wochenende hat Strache noch ein Foto online gestellt, auf dem er bei einem Kirchweihfest in Lederhosen und Trachtenweste mit einem Spanferkel posierte. Daneben hatte er geschrieben: "Isst du Schwein, darfst du rein."