Verkaufsstart

Bluttest auf Down-Syndrom verfügbar

Verkaufsstart in Deutschland. Behindertenbeauftragter kritisiert "Mittel zur Diskriminierung"

- Rettet der neue Test Leben oder führt er zu mehr Abtreibungen behinderter Kinder? Ärzte, Behindertenverbände, Politik und Theologen haben seit Wochen über die neue vorgeburtliche Untersuchungsmethode debattiert. Seit Montag ist der Schwangeren-Bluttest zur vorgeburtlichen Bestimmung des Down-Syndroms nun in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und in der Schweiz verfügbar.

Schon mittels Blutabnahme bei Schwangeren kann künftig untersucht werden, ob das ungeborene Kind das Down-Syndrom hat. Ausgangspunkt für den neuen Trisomie-Test der Konstanzer Biotech-Firma LifeCodexx ist die in den 90er-Jahren gemachte Entdeckung, dass im Blut der Schwangeren auch Bruchstücke des Erbmaterials ihres ungeborenen Kindes zu finden sind. Die DNA-Schnipsel gelangen über die Plazenta in den mütterlichen Blutkreislauf. Dies macht sich der neue Test zunutze, indem er überprüft, ob die statistisch bei einem gesunden Kind zu erwartende Anzahl von Bruchstücken des Chromosoms 21 erhöht ist. Denn bei Down-Syndrom-Kindern liegt dieses Chromosom nicht zwei-, sondern dreimal vor.

Kritiker - vor allem von Behindertenverbänden und aus der katholischen Kirche - mahnen, dass das Nachdenken über die ethischen Auswirkungen mit der rasant fortschreitenden technischen Entwicklung nicht mehr Schritt hält. "Wir werden förmlich überrollt. Nach der Bundestagsfreigabe der Präimplantationsdiagnostik sehen wir nun den neuen Down-Syndrom-Test mit besonders großer Sorge", sagt Thorsten Hinz. Für den Geschäftsführer des Bundesverbands Caritas Behindertenhilfe trifft der neue Bluttest eine Aussage über lebenswertes und lebensunwertes Leben. Diesen Vorwurf der gezielten Selektion weist LifeCodexx entschieden zurück. An den ethischen Fragen der Pränataldiagnostik ändere sich nichts; der Test trete nur an die Stelle anderer, längst verbreiteter Methoden.

Das Unternehmen argumentiert, durch den Test sogar Leben retten zu können: Denn die Blutuntersuchung könne für das ungeborene Kind potenziell gefährliche Untersuchungen wie Fruchtwasseranalyse oder Gewebeentnahme aus der Plazenta (Chorionzotten-Biopsie) ersetzen. Nach diesen Eingriffen kommt es in seltenen Fällen zu Fehlgeburten. Was LifeCodexx allerdings nur indirekt einräumt: Fast immer wird es im Falle eines positiven Bluttest-Ergebnisses zusätzlich eine Fruchtwasseruntersuchung geben müssen.

Dabei steht der PraenaTest erst am Anfang neuer denkbarer humangentischer Diagnoseverfahren. Die Forschung bereitet schon die nächsten Schritte vor. Vor Kurzem berichteten US-Wissenschaftler, das gesamte Genom - also alle genetischen Informationen - eines ungeborenen Kindes entschlüsselt zu haben. Am Montag meldete Hersteller LifeCodexx, in naher Zukunft werde der Test des Unternehmens "auch weitere chromosomale Veränderungen wie Trisomie 13 und 18 feststellen können".

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe (CDU), will sich mit dem Test nicht abfinden. "Ich hoffe, dass dies in der Politik zum Anlass genommen wird, über die Rechtmäßigkeit eines solchen Tests zu diskutieren", sagte er. Alle Fraktionen im Bundestag seien angesprochen: "Solche Themen waren immer Anlass, über Parteigrenzen hinweg zu handeln."