Umfrage

Organskandal gefährdet Spendebereitschaft

Umfrage: 45 Prozent der Bundesbürger haben Bedenken wegen Transplantationen

- Die Bereitschaft zur Organspende ist angesichts des Transplantationsskandals nach einer Umfrage stark gesunken. 45 Prozent der Bundesbürger haben Bedenken, sich als Organspender zur Verfügung zu stellen. 42 Prozent teilen die Bedenken nicht, wie aus der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervorgeht. 36 Prozent haben derzeit nicht vor, ihre Bereitschaft zur Organspende zu bekunden. Nur 30 Prozent haben dies vor.

In Befragungen anderer Institute vor einigen Monaten hatten noch rund zwei Drittel angegeben, dass sie sich prinzipiell vorstellen könnten, ein Organ zu spenden. Nur rund ein Fünftel (21 Prozent) wollte laut einer Forsa-Umfrage vom März keine Organentnahme nach dem Tod.

Die jüngsten Ankündigungen von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken zielen darauf ab, Vertrauen in der Bevölkerung zurückzugewinnen. In Göttingen und Regensburg wurden Patientendaten manipuliert. Nach Bekanntwerden des Falls entbrannte eine Debatte über die Organvergabe insgesamt. Nun sollen Kontrollen und Transparenz Manipulationen verhindern und Vertrauen stärken.

Auch der Gesundheitsausschuss des Bundestags wird sich voraussichtlich am 14. September in einer Sondersitzung mit möglichen Konsequenzen aus dem Organspendeskandal befassen. Der Termin bedürfe noch der Zustimmung des Bundestagspräsidenten, bestätigte der Grünen-Parlamentarier Harald Terpe. Terpe sieht bei der Vergabe von Spenderorganen den Gesetzgeber am Zug. "Die Regeln zur Organzuteilung müssen auf gesetzlicher Ebene präzisiert werden", sagte Gesundheitsexperte der Grünen-Fraktion. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) müsse sich für eine grundlegende Änderung des Transplantationsgesetzes starkmachen. "Bislang habe ich aber noch nichts von ihm dazu gehört", bemängelte der Grünen-Bundestagsabgeordnete.

Nach Einschätzung des CSU-Bundestagsabgeordneten Josef Göppel verursacht der Organspendeskandal "Angst" und "tiefe Verunsicherung" bei Kranken, die auf ein Spenderorgan warten. "Manche sagen sogar: Ich schäme mich dafür, dass ich auf der Transplantationsliste bin", sagte Göppel am Freitag im mittelfränkischen Herrieden. Viele hätten das Gefühl, ihnen werde "Unredlichkeit" unterstellt, weil sie auf ein Organ hofften. Göppel, der selbst mit einer Spender-Niere lebt, beklagte: "Der ganze Bereich der Organspende wird ins Zwielicht gerückt." Dies sei "ungerecht und weit überzogen". Der Skandal gehe schließlich auf einen einzigen Mediziner zurück.