Aleppo

Rebellen müssen sich zurückziehen

Assad-Regime gewinnt in Aleppo an Boden. Inhaftierter Deutsch-Syrer kritisiert Berlin

- "Wir haben uns zurückgezogen", ruft ein Rebell aufgeregt am Rande von Salaheddine, dem seit Wochen umkämpften Stadtteil im Südwesten von Aleppo. Die Checkpoints der Freien Syrischen Armee (FSA) bleiben dort erstmals unbesetzt. Bisher hat die FSA jeden Angriff der Truppen von Präsident Baschar al-Assad zurückgeschlagen. Obwohl sie Tag und Nacht unter dem Beschuss von Mörsern sowie Artilleriegranaten standen und aus der Luft bombardiert wurden. Nun scheint eine Bodenoffensive der Regimetruppen maßgeblichen Geländegewinn gebracht zu haben.

Das Staatsfernsehen meldet, man habe "Salaheddine unter Kontrolle und die meisten der Terroristen getötet". Die FSA widerspricht umgehend, gibt dann aber zu: "Einige Teile von Salaheddine werden vom Regime kontrolliert." Die Rebellen haben logistische Probleme: "Der Nachschub an Munition lief, aber zu langsam", bestätigte Rebellenkommandeur Abu Salim. Noch wird in den Außenbezirken von Salaheddine weitergekämpft, denn der Verlust des Stadtteils wäre bitter für die Rebellen und den Geist der Revolution.

Unterdessen setzt sich die Bundesregierung gegen schwere Vorwürfe eines Deutschen zur Wehr, der in der umkämpften Stadt Aleppo in einem syrischen Gefängnis sitzt. Das Auswärtige Amt wies Kritik zurück, sich um den 51-Jährigen nicht ausreichend zu kümmern. Der Mann werde bereits seit seiner Inhaftierung 2006 betreut, sagte eine Ministeriumssprecherin. Nach der Schließung der deutschen Botschaft in Damaskus sei die Botschaft in Libanons Hauptstadt Beirut eingeschaltet worden.

Der Bundesbürger, der auch einen syrischen Pass besitzt, hatte sich in einer Mitteilung an die "Süddeutsche Zeitung" über mangelhafte Unterstützung durch die Bundesregierung beschwert. Dem Auswärtigen Amt warf er sogar vor, "total versagt" zu haben. Nach der Erschießung von anderen Häftlingen im Zentralgefängnis von Aleppo fürchte er um sein Leben. Angeblich sitzt er in einer Zelle mit mehreren Dutzend anderen Häftlingen. Die Schilderung lässt sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen. Nach Informationen der "Süddeutschen" soll er wegen Kontakten zu der in Syrien verbotenen Muslimbruderschaft verurteilt worden sein.

In der Nähe der süditalienischen Küste ist derweil ein Boot mit Flüchtlingen aus Syrien abgefangen worden. Das Schiff sei in die Hafenstadt Crotone geschleppt worden, so die Polizei. An Bord hätten sich 124 Syrer befunden, darunter etwa 40 Kinder. Zudem seien 30 Afghanen und drei Türken in dem Schiff gewesen. Den Flüchtlingen gehe es gut, sie befänden sich nun in einem Auffanglager.