Reaktion

Ärzte planen harte Strafen bei Organhandel

Zulassung soll schneller entzogen werden. SPD-Fraktionschef fordert schärfere Kontrollen

- Als Reaktion auf den Organspendeskandal hat sich SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier für schärfere Kontrollen ausgesprochen. Darüber solle möglichst schnell bei einem Treffen aller Fraktionsspitzen im Bundestag geredet werden, forderte er. Es müsse jetzt alles getan werden, um das Vertrauen in der Bevölkerung wiederherzustellen, forderte der Politiker, der selbst seiner erkrankten Frau eine Niere gespendet hatte. Der eingetretene Schaden werde nicht leicht wiedergutzumachen sein.

Unterdessen kündigte die Bundesärztekammer nach einem Krisentreffen der Prüfungskommission an, die internen Kontrollen bei Transplantationen verbessern zu wollen. Im Herbst soll in einer neuen Richtlinie der Ärzte ein Mehr-Augen-Prinzip bei der Auswahl von Organempfängern eingeführt werden. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery, sagte, der kontrollierende Arzt könne etwa der Labormediziner sein. Im Göttinger Transplantationsskandal hatte der für die Leber-Transplantationen zuständige Arzt falsche Laborwerte angegeben, damit seine Patienten kränker erscheinen. Dadurch rückten sie auf den Wartelisten nach oben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in mehr als 20 Einzelfällen. Auch im Regensburger Transplantationszentrum waren Daten manipuliert worden.

An dem umstrittenen beschleunigten Verfahren bei der Organvergabe, das an den Wartelisten vorbei läuft, soll aber festgehalten werden. Allerdings will man es einer kritischen Analyse unterziehen. Die Kriterien für die umstrittene Schnellvergabe von Organen könnten klarer gefasst werden. Zudem sollten bei "nachgewiesenem schweren ärztlichen Fehlverhalten" die zuständigen Institutionen "das Ruhen oder den Entzug der Approbation" anordnen, sagte Montgomery. Angestrebt wird darüber hinaus, verdachtsunabhängige Kontrollen einzuführen. Dafür müssten allerdings zusätzliches Geld und mehr Personal zur Verfügung gestellt werden, sagte er. Zur umfassenden Aufklärung der Vorgänge in den Transplantationszentren Göttingen und Regensburg würden ferner zwei Sonderprüfer eingesetzt. Diese sollen auch die Arbeit von Staatsanwaltschaft und Polizei unterstützen. Mit Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) werde am 27. August über erforderliche Änderungen in Richtlinien, Verordnungen oder Gesetzen beraten. Bahr begrüßte die Erklärung als ersten wichtigen Schritt. Es gelinge nur gemeinsam, das Vertrauen in die Organspende wieder herzustellen.

Demgegenüber kritisierte der Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, mit den Eigen-Kontrollen werde es nicht gelingen, Transparenz herzustellen. Er verlangte abermals eine staatlich organisierte Organvergabe. Auch die Grünen forderten mehr staatliche Kontrollen. Es könne nicht sein, dass Vereine und Stiftungen über das Transplantationswesen entscheiden, erklärten die Bundestagsabgeordneten Harald Terpe und Elisabeth Scharfenberg. Der Medizinrechtler Thomas Gutmann sagte im WDR, mit der Bundesärztekammer habe man "den Bock zum Gärtner gemacht". "Genau diese Leute, die in diesem Dunkelfeld gearbeitet haben bisher, die schlagen jetzt vor, dass sie sich künftig auf andere Weise selbst kontrollieren. Das kann nicht funktionieren."