Umweltschäden

USA helfen Vietnam bei Beseitigung von "Agent Orange"

Viele Menschen leiden unter den Folgen des Dioxins

- Die USA beteiligen sich erstmals seit Ende des Vietnamkriegs vor 37 Jahren an der Beseitigung von Umweltschäden durch das von ihnen eingesetzte Entlaubungsmittel "Agent Orange". Am Flughafen Danang in einer Tourismusregion am Südchinesischen Meer begannen am Donnerstag umfangreiche Arbeiten, um das Erdreich von dem dioxinhaltigen Mittel zu dekontaminieren.

Während des Kriegs, der bis 1975 dauerte, lagerten die US-Streitkräfte in Danang "Agent Orange"-Vorräte. Über die Urwälder des Landes sprühten Flugzeuge rund 45,5 Millionen Liter des hochgiftigen Mittels ab. Die Militärs wollten damit Nachschubwege der kommunistischen Vietcong unter dem dichten Blätterdach des Dschungels aufdecken und ihnen die Deckung nehmen. Die Fässer mit dem Entlaubungsmittel waren mit einem orangefarbenen Streifen markiert, davon stammt die Bezeichnung "Agent Orange". Bis heute werden Häufungen von Krebserkrankungen und Missbildungen bei Neugeborenen in Vietnam auf den Einsatz von "Agent Orange" zurückgeführt. Auch Karzinome (also Krebserkrankungen) bei vielen US-Veteranen gehen vermutlich auf das hochgiftige Entlaubungsmittel zurück.

"Während des Kriegs lebten wir an der Startbahn, in manchen Nächten mussten wir unsere Münder zuhalten, weil es so stark roch", erinnert sich die 78-jährige Nguyen Thi Binh. Drei ihrer fünf Kinder sind stark körperlich oder geistig behindert. Jahrelang glaubte Binh, dies sei die Strafe für in einem früheren Leben begangene Sünden. Doch nun macht sie das Dioxin dafür verantwortlich, dem sie und ihr Mann damals durch das "Agent Orange" ausgesetzt waren.

Die US-Regierung gibt 41 Millionen Dollar in Danang aus, damit 73.000 Kubikmeter Erde gereinigt werden können. Das Erdreich wird in speziellen Öfen auf eine Temperatur erhitzt, bei der der Wirkstoff des Entlaubungsmittels zerfällt. Die Arbeiten sollen 2016 abgeschlossen werden. Der Vietnamkrieg endete 1975 mit der Einnahme der Hauptstadt des mit den USA verbündeten Südvietnams, Saigon, dem heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt, durch die nordvietnamesischen Truppen.

"In verseuchten Gebieten wie Danang gibt es immer noch sehr junge Menschen, die unter Krankheiten leiden, die mit ,Agent Orange' zusammenhängen", sagt Nguyen Van Rinh vom Opferverband VAVA. Laut der vietnamesischen Regierung waren rund drei Millionen Vietnamesen "Agent Orange" ausgesetzt, eine Million leidet immer noch unter den Folgen. Zehntausende Kinder werden heute noch mit Schäden geboren.

Der Versuch der Opfer, von den USA eine Entschädigung zu erhalten, wurde im Jahr 2009 vom Obersten Gericht abgeschmettert. Seit dem Jahr 1989 gab die US-Regierung Botschafter Shear zufolge 54 Millionen Dollar aus, um den erkrankten Vietnamesen zu helfen - auch wenn der Zusammenhang zum "Agent Orange" nicht anerkannt wird. Insgesamt könnten die Reinigung und die Unterstützung der Opfer Schätzungen zufolge 450 Millionen Dollar kosten.