Justiz

Chodorkowski: Pussy-Riot-Prozess Schande für Russland

Der inhaftierte Kreml-Kritiker und ehemalige Ölmagnat Michail Chodorkowski hat den Prozess gegen die Punkrockband Pussy Riot als Schande für Russland bezeichnet.

- "Ich schäme mich, und mir tut das weh", schrieb der Ex-Yukos-Chef am Montag auf seiner Internetseite. Er verglich die Verhandlung und die Haftbedingungen mit "mittelalterlicher Inquisition". Der Prozess gegen Chodorkowski, der wegen Veruntreuung zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, fand 2010 im selben Gerichtssaal in Moskau statt.

Die wegen "Rowdytum" in der orthodoxen Hauptkirche Russlands angeklagten drei jungen Frauen stehen bereits in der zweiten Woche vor Gericht. Sie hatten scharfe Kritik am russischen Präsidenten Wladimir Putin geübt. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen bis zu sieben Jahre Haft. Putin selbst sprach sich jüngst für eine milde Strafe aus.

Chodorkowski zufolge wurde der Glaskasten, in dem die Angeklagten sitzen, auf seine Initiative eingerichtet. Vorher gab es einen Metallkäfig, der international auf Kritik stieß und als "menschenunwürdig" eingestuft wurde. Der verurteilte Ex-Großunternehmer ist allerdings der Meinung, das jetzige "Aquarium" sei besonders im Sommer ebenso verwerflich. Die drei Frauen hatten in der vergangenen Woche über zu wenig Essen und Schlaf und unmögliche Transportbedingungen geklagt und diese als Folter eingestuft. Chodorkowski gab ihnen recht. Vor dem alltäglichen Prozessbeginn gebe es "sechs Stunden Schikane" - man werde "sehr früh geweckt und dann sehr lange in einem sehr engen Raum festgehalten". Dann folgten zwei unangenehme Leibesvisitationen, danach die endlos lange Fahrt durch die Moskauer Staus. Er bescheinigte den Mädchen "einen Arbeitstag von 20 Stunden - wie halten die das nur durch?"

( epd )